Von modernen Kreuzrittern und ihren Sympathisanten

Prozession Priesterweihe Piusbruderschaft Ecône/VS

Kurt Marti richtet im InfoSperber wiedermal den Scheinwerfer auf die erzkatholische Piusbruderschaft: „Vor Weihnachten: Piusbrüder rufen zu einem neuen Kreuzzug auf.“
Der Generalobere (Supérieur Général) der in Ecône im Wallis gegründeten katholisch-traditionalistischen Priestervereinigung, Bernard Fellay, ruft in einem Brief an „Freunde und Wohltäter“ zu einem „neuen Kreuzzug“ auf.


Bischof Bernard Fellay, Generaloberer Pius Bruderschaft „Inmitten einer dekadenten Welt, die die Seelen notwendigerweise in die Hölle führt“, sei von den Christen „etwas Ãœbermenschliches“ gefordert, schreibt Bischof Fellay.* Ein „neuer Kreuzzug“ sei nötig. Man müsse “ zu allen Opfern der zeitlichen Güter bereit sein – bis zur Hingabe seines Lebens – um die ewige Seeligkeit einer Seele zu sichern.“

Die modernen Kreuzritter sollen dabei aber nicht wie ihre Vorgänger im Mittelalter gegen die Ungläubigen in Jerusalem reiten, sondern „ihre Standespflicht“ hier in Europa erfüllen. Ein „Kreuzzug für eine christliche Kultur“ sollen sie führen – eine Kultur in deren Zentrum selbstverständlich die bedrohte, traditionelle Familie steht, wie das ja auch der Churer Bischof Huonder in seinem jüngsten Hirtenbrief und auch der neue Papst in seiner Regierungserklärung „Evangelii Gaudium“ mitte November unterstrichen haben.

Sympathisanten in der Politik
Den ganzen Artikel des INFOsperbers gibt’s hier. Speziell wichtig scheint mir der letzte Abschnitt des Artikels, wo Kurt Marti erneut auf die Nähe verschiedener Exponenten der Politik zur Piusbruderschaft hinweist.
„Die Piusbrüder haben laut eigenen Angaben regen Zulauf von Gläubigen und Jung-Priestern. Im Unterwallis, der Ur-Heimat der Piusbrüder, verschob sich in den letzten Jahren die Anhängerschaft von der CVP zur jungen SVP und zum «Mouvement chrétien conservateur», dessen ehemaliger Präsident André Franzé früher Untersuchungsrichter war. Er gilt als Hardliner und propagiert die Todesstrafe. Seit 2012 wird das «Mouvement chrétien conservateur» vom SVP-Politiker Grégory Logean präsidiert, der nach einem Rücktritt von Oskar Freysinger aus dem Nationalrat nachrutschen möchte. Aus den Reihen der CVP bekennt nur CVP-Ständerat Jean-René Fournier öffentlich seine Sympatien zu den Piusbrüdern, wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps»** berichtete.
Auch der Unterwalliser Weinhändler Dominique Giroud bewegte sich in der Vergangenheit in ultrakonservativen Kreisen im Umfeld der Piusbrüder. Aktuell sieht er sich allerdings mit Vorwürfen der Steuerhinterziehung konfrontiert. Revisionsorgan von Girouds Wein-Imperium war das Treuhandbüro Alpes Audit SA, dessen Präsident von 1998 bis 2009 der jetzige CVP-Staatsrat Maurice Tornay war. Affaire à suivre.“

Auseinandersetzung nicht Ausgrenzung ist gefragt
Mit Wiedergabe der Infos von Kurt Marti geht es mir nicht einfach darum, in das  Bashing der Piusbrüder und ihrer Sympathisanten einzustimmen. Viel mehr möchte ich
dazu beitragen, vermehrt Öffentlichkeit für eine Thematik zu schaffen, der wir bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben – die wir verdrängt haben, weil sie uns unangenehm ist.
Aber wir müssen akzeptieren, dass es dieses Phänomen nach wie vor gibt. Wir müssen ihre
Exponententen und deren Positionen ernst nehmen, ihr Einwände offen bedenken und vielleicht auch mal etwas von ihnen lernen.
Vor allem aber müssen wir einen Weg finden, uns mit den Religiös-Konservativen
auseinanderzusetzen, mit ihnen umzugehen. Ausgrenzen, mit Verachtung strafen oder
Todschweigen löst das Problem nicht. Wir mögen ihre Position nicht teilen, aber ihre
Wahrnehmung der Welt, ihre Einwände gegen gesellschaftliche Entwicklungen sind Teil der aktuellen und zukünftigen Realität der Schweiz.
Die Erwartung von uns Säkularisten, dass die fortschreitende Aufklärung und Modernisierung diese Tendenzen/Themen und ihre Exponenten aussterben lasse, haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Heute müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass das Religiöse, und nicht zuletzt auch die Religiös-Konservativen Teil der Moderne sind.
Und es gibt einige Indizien, die darauf hinweisen, dass die Zahl der Sympathisanten der Religiös-Konservativen aller Glaubensgemeinschaften auch in Europa und der Schweiz wächst.
Noch stehen Wenige (Politiker und Andere) öffentlich zu ihrer Nähe zu diesen Kreisen und deren Weltanschauungen. Aber es deutet Einiges darauf hin, dass die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer zunimmt, die die Positionen der Religiös-Konservativen als Orientierungshilfe nutzen, um sich in der komplex-vielfältigen Welt der Moderne zurechtzufinden.
Und es scheint mir nur eine Frage der Zeit, bis sich vermehrt auch Politiker offen zu ihrer
Religiosität und je nach Standpunkt auch zu ihrer Nähe zu konservativen Organsiationen wie die Piusbrüder bekennen – auch im Sinne ihres Politmarketings, weil sie erkennen, dass sie damit bei vielen Wählern punkten können.

Fussnoten:
* Ich übernehme Kurt Martis Übersetzung im Infosperber. Sie scheint mir verständlicher als die Übersetzung des französichen Originals auf pius.info, der offiziellen, deutschsprachigen Webpage der Piusbruderschaft.
** Links von religionschweiz.ch

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