Eine Favela in Rio de Janeiro lädt FIFA Präsident Blatter ein

Bildschirmfoto 2014-04-04 um 20.46.29Morgen wird die Bevölkerung des Favela Jacarezinho in Rio de Janeiro anlässlich einer Demonstration FIFA-Präsident Joseph Blatter zu einem persönlichen Besuch in ihr Armenvierte unweit des Maracana Stadions einladen. Dies kündigt die brasilianische NGO Rio de Paz heute auf ihre Facebookseite an – und die grösste Tageszeitung in Rio O’Globo bringt eine Kurznachricht dazu.

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„Wir, die Bevölkerung von Jacarezinho, laden Präsident Blatter zu einem Besuch ein“, wird auf den Transparenten zu lesen sein, die die Menschen morgen in die Kameras halten werden.
Gemäss den heute auf der Facebook-Site von Rio de Paz veröffentlichten Infos will die Aktion drei Ziele erreichen (Übersetzung Contextlink):

1. Persönliche Einladung an FIFA-Präsident Sepp Blatter zu einem Besuch in die Favela, die nur drei Kilometer vom Maracana entfernt liegt.

2. Die Aufmerksamkeit der FIFA auf die sozialen Bedingungen des Armenviertels lenken und ihr helfen zu verstehen, warum Millionen von Brasilianer wütend sind über die Ausgaben öffentlicher Gelder für die Fussball-WM, während Millionen von Menschen im Land sozial ausgegrenzt sind und von sozialen Diensten abhängig sind, der Qualität in nicht akzeptierbarer Weise schlechter ist, als die Qualitätsstandards der FIFA für die Stadien, welche für die WM gebaut wurden. 

3. Bitte an FIFA, einen Teil der Gewinne aus der Weltmeisterschaft in der lokalen Gemeinde zu investieren.

Antonio Carlos Costa, President Rio de Paz, FIFA Hauptsitz Februar 2014

Antonio Carlos Costa, President Rio de Paz, FIFA Hauptsitz Februar 2014

Die NGO Rio de Paz ist seit einer Ein-Mann-Demo ihres Präsidenten Antonio Carlos Costa vor dem FIFA Hauptsitz in Zürich im Februar, mit der FIFA direkt in Kontakt.
Die FIFA hat sich bisher sehr geschickt zuvorkommend verhalten (siehe die Publikationen der NGO über den Briefwechsel auf ihrer Facebooksite).
Man kann gespannt sein, wie sie auf den neuen Vorstoss reagiert.

Es spricht kommunikationspolitisch Einiges dafür, dass FIFA-Präsident Blatter die Einladung annimmt und die Favela tatsächlich persönlich besucht. Unter dem Motto „Wir haben keine Berührungsängste“ könnte die FIFA ihren doch beträchtlichen Aufwand im Bereich Social Responsibilty promoten. Beste PR für die FIFA – und die NGO Rio de Paz. imagesWeniger Freude hätte wohl die brasilianische Regierung, denn es ist vorallem sie, die in der Kritik steht. Statt sich um die wirklichen Probleme der Armen in den Favelas zu kümmern, schickt sie die Armee zur Gewährleistung einer minimalen Sicherheit in die Armenviertel – vorübergehend, bis nach der WM.

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