Heute ist die Favela für einen Gringo zu gefährlich

Sonnenuntergang in Rio de Janeiro Juli2014

Sonnenuntergang in Niteroi/Rio de Janeiro Juli 2014

Eigentlich waren wir zum Barbecue und einer Art „Public Viewing“ des WM-Viertelfinals Brasilien – Kolumbien in der Favela Jacarezinho in unmittelbarer Nähe des Maracana-Stadions in Rio eingeladen. Doch wir fahren nicht hin.
„Zu gefährlich“, sagen unsere Leute in der Favela. Und so bleiben wir auf der Schokoladenseite von Rio. Genau in Niteroi, jenseits der Guanabara-Bucht an der Rio liegt (im Bild oben erkennt man die Skyline des zentralen Geschäftsbezirks von Rio im Dienst). Schön ist es ja hier, und ich werde mir das Spiel auch so mit den Einheimischen hier in Niteroi zusammen ansehen. Aber viel spannender wär’s natürlich in der Favela gewesen, in der Bar gleich neben der Rio de Paz-Zentrale in Jacarezinho.Schon seit dem Mittag habe es sehr viel schwerbewaffnete Polizei in Jacarenzinho, sagt Joao am Telefon. Seit Tagen gibt es ja Gerüchte, bei einer Niederlage Brasiliens würde es zu Unruhen und gröberen Auseinadnersetzungen zwischen der Polizei und dem machthabenden Drogenkartell kommen. Die Sicherheitskräfte wollen offenbar auf Nummer sicher gehen und nicht nur ein klares Signal der Kampfbereitschaft senden, sondern auch wirklich bereit sein, aufkommende Gewalt gleich zu unterdrücken, bevor sie sich ausbreitet und multipliziert.
Ein „Gringo“ in einer Favela-Bar könnte eine Provokation sein. Nicht nur für die zahlreichen Drogendealer, die auch mitschauen werden, sondern auch für die Crack sniffenden oder ständig Marihuana rauchenden Jugendlichen, die entlang des stinkenden Baches hocken. Wenn der Fremde denn auch noch fotografieren oder gar filmen will, ist das Risiko unsern Freunden zu gross.

Marcos hat sowieso schon erklärt, er sei viel zu nervös, sich das Spiel anschauen zu können. Barbecue – morgen vielleicht, je nachdem was heute abgeht oder eben nicht.

Zugang zur Favela Jacarezinho, Rio de Janeiro

Zugang zur Favela Jacarezinho, Rio de Janeiro

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