Der Wind hat gedreht oder Ein Basler Pfarrer lässt die Maske fallen.

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Bruno Waldvogel, ref. Pfarrer Gellertkirche Basel

Das lässt ein Pfarrer die Maske fallen.
Dass Bruno Waldvogel, Pfarrer der Basler Gellertkirche einer der Köpfe der neoprotestantischen Fundamentalisten-Bewegung in der Schweiz ist, ist auch innerhalb der protestantischen (Landes-)Kirche schon lange bekannt. Und dass der konservative Protestantismus auch zunehmend die Islamophobie als PR-Mittel pflegt, beobachten wir auch schon länger.
Führende Exponenten der protestantischen Neokonservativen haben sich in der Schweiz bisher aber öffentlich zurückgehalten (Ausnahmen bestätigen die Regel) und haben Andere die unschöne Hetzarbeit machen lassen. In Basel hat das zum Beispiel Daniel Wahl, früher Redaktor bei Telebasel und heute bei der Basler Zeitung übernommen. Der Baselbieter, der auch zum Umfeld von Pfarrer Waldvogel gehört, denunziert in seinen Artikeln nicht nur die Aktivitäten der Islamisten in Basel, sondern führt auch eine eigentliche Kampagne gegen die Religionsbeauftragte des Kantons Baselstadt, Lilo Roost Vischer. Das eigentlich Ziel seiner Polemiken ist natürlich nicht Frau Roost persönlich, sondern die offizielle, dem integrativen Multikulturalismus und der Toleranz verpflichteten Religions-Politik des Kantons.

Jetzt aber scheint die offene Islamhetze in der Schweiz so salonfähig geworden, dass selbst ein Angestellter der protestantischen Landeskirche glaubt, seine radikale Anti-Islam-Haltung nicht mehr verbergen zu müssen.

„Der Wind dreht“ titelt Pfarrer Waldvogel seinen „Kommentar“ auf livenet.ch, dem „Webportal von Schweizer Christen“. Im Artikel ist er sich sicher, dass der Wind schon gedreht hat. Und ich fürchte, ich muss ihm beipflichten. Nur ruft da wiedereinmal ein Brandstifter „Fürio“. Noch hat Pfarrer Waldvogel nicht alle Hemmungen verloren und versucht, die politische Correctness hinter einer pseudo-nüchternen Analyse einigermassen zu wahren: „Die Radikalisierung in den Gesellschaften (sic! Anmerkung admin) wächst, besonders was den Islam betrifft. – Mit Besänftigungen, so glaubten gewisse politische Kreise, würde sich das Monster Islamismus bekämpfen lassen.“

Waldvogel diagnostiziert schlicht einen „Kampf der Kulturen“. (Auch er hat Samuel Huntington offensichtlich nicht wirklich gelesen.) Da wird der Wunsch zur Diagnose, welche es Pfarrer Waldvogel erlaubt, eben diesen Kampf zu fordern: „Weichen wir dem Islam nicht aus, sondern treten wir bewusst mit dem Evangelium ein in den Wettstreit der Ideen und Weltbilder.

Auch er habe kein Patentrezept, schreibt Pfarrer Waldvogel, um umgehend eines zu liefern: „Wir können einem -ismus nur den Nährboden entziehen, wenn wir wieder glaubwürdige Christen werden.“ Nur dann könnten wir die sonst offenischtlich unausweichliche „religiöse Radikalisierung von entwurzelten Secondos und Immigranten“ verhindern. Pauschal vedächtigt Pfarrer Waldogel jeden Muslim, bald ein Jihadist zu sein – und Schuld sind wir nicht-richtig gläubigen, säkulären und naiven Multikulturalisten.

Das ist die Rede und die Haltung eines Angestellten der staatlich anerkannten,reformierten Landeskirche Baselstadt. Dringend gefragt ist jetzt die protestantische Landeskriche, nicht zuletzt natürlich die reformierte Kirche Baselstadt. Schon länger warten wir auf klärendes Wort von Lukas Kundert, dem Präsidenten des Basler Kirchenrates. Oder müssen wir das Schweigen der Landeskirche(n) und von Pfarrer Kundert als heimliches Einverständnis mit den Äusserungen der neokonservativen Fundis verstehen?

Dann hat der Wind definitiv gedreht.

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One Response to Der Wind hat gedreht oder Ein Basler Pfarrer lässt die Maske fallen.

  1. Bruno Waldvogel-Frei says:

    Interessanter Artikel über mich. Habe nicht gedacht, dass man gleich den Steckbrief mitliefert 🙂 Ich hätte es fair gefunden, den letzten Satz meines Kommentars zu zitieren.

    1. Um es hier klarzustellen: Ich rede vom Phänomen der Radikalisierung zum Islamismus. Das sollte doch aus dem Gesamtzusammenhang des Kommentars nun wirklich nicht so schwer zu begreifen sein?

    2. Nehmen Sie in Anspruch, dass dieses Forum hier der Diskussion dienen soll. Ist obiger Text tatsächlich der Einstieg in einen Diskurs? Einen “Gegner” überzeugt man durch Argumente, nicht durch Drohungen.

    3. Sehe ich es wahrscheinlich ähnlich wie Sie (wer immer sich hinter der Maske von admin. versteckt): Dass nämlich die Grosszahl der Muslime bei uns ganz normale friedliebende Mitbürger sind. Sie dürfen getrost wissen, dass ich muslimische Freunde und Bekannte habe. Von Ihnen redet mein letzter Satz im Kommentar, dass ich mich ohne zu Zögern vor sie stellen würde, wenn man sie zu Sündenböcke stempeln wollte. Und diese Szenario befürchte ich. Weswegen ich sogar schon Gesprächsrunden mit muslimischen Leuten organisiert habe, um das Verhindern dieser lauernden Gespenster zu diskutieren. Das meinte ich mit: Der Wind hat gedreht.

    4. Ich gehe einig mit dem grossen Islamkenner Peter Scholl-Latour, dass eine ethisch moralisch geschwächte Kultur Europas ein gefährliches Vakuum entstehen lässt, in das sich sehr rasch -ismen einschleichen werden, die zur Radikalisierung aufrufen. Da ich nach wie vor von einer christlich geprägten Leitkultur ausgehe, fordere ich auf, diese Leitwerte zu stärken und selbstbewusst zu vertreten. Ich denke z.B. an die 10 Gebote, an die Bergpredigt oder die Feindesliebe. Ich habe in London gelebt. Und ich beobachte dort wie hier, dass viele muslimische Mitbürger es sogar schätzen, wenn Schulen und Institutionen christliche Werte hochhalten. Für einen tiefgläubigen Muslim sind nicht gläubige Christen das Problem, sondern Menschen, die nicht an Gott glauben. Nur aggressive, lieblose oder manipulative Missionierung mögen sie nicht – zu Recht. Aber den Diskurs über die Religion führen ist für viele so normal wie Zähneputzen.

    5. Als reformierte Kirche leben wir mitten in Basel schon seit Jahren Multikulti. Für engagierte Christen ist die Gastfreundschaft allen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Kultur und Religion normal und selbstverständlich. Auch in der Gellertkirche. Wir sammeln regelmässig Geld für dieses Anliegen.

    6. Da ich selber ein Secondo bin, stelle ich niemanden unter Generalverdacht, wie Sie oben implizieren. Es ging mir lediglich um das Phänomen, warum sich junge Männer bei uns für den Djihad radikalisieren lassen.

    7. ich vermute, unser Anliegen für eine gelingende Integration ( und nicht Isolierung in Millieus) teilen wir. Ob Ihr Modell oder das von mir vorgeschlagene Modell tauglicher ist – diesen Diskurs zu führen gilt es.

    Mit freundlichen Grüssen
    Pfr Bruno Waldvogel-Frei

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