The War Party

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Ich empfehle dringend, salon.com zu lesen, ein US-linkes, häufig sehr politisches Online-Magazin. Die Redaktion geht offenbar davon aus – und ihre Clicks mögen das bestätigen, dass wir auch gerne über Sex lesen.
Aber eben: immer wieder exzellente Politstories.
Aktuell ein Artikel – und Vorsicht, die sind fast immer lang – von Tom Engelhard: „The chilling rise of American militarism“. Tom Engelhard – nocheinmal: Vorsicht – ist ein in der Wolle gewaschener Linker. Er ist der Chef von tomdispatch.com, einer sehr, sehr kriegskritischen Webpage, die seit Jahren gegen Amerikas Kriegstreiber in der Regierung in Washington anschreibt.
Weltweit mimt man jetzt Entsetzen angesichts des Reports des US-Senats zu den Foltermethoden der US-Kriegsmaschine. Doch für alle Politiker und für alle Journis in den USA und in der restlichen Welt ( inkl. die Schweiz): eigentlich hat der Report nur bestätigt, was alternative Journis wie die Leute um Tom Engelhard schon lange belegt haben: Die Hardliner in der US-Regierung um Dick Cheney und … sind schlimme Kriegsverbrecher. Ich habe hier schon früher das Buch von Jeremy Scahill empfohlen:„Dirty Wars“
Jetzt hat also der Salon seine Plattform für Engelhatd geöffnet: Es gleichzeitig ein erschreckendes, wie amüsantes Stück. Amüsant ist sein Journi-Bashing, erschrecken der Rest.

Sein Fazit: 8 Jahre Friedensrethorik – und vielleicht tatsächlich wohlmeinende Absichten- von Barack Obama ändern nichts dabei: Die Macht der Kriegsfalken und des US-Militärs ungebrochen. Und: Defacto ist Barack Obama ein Kriegspräsident:

The nation’s capital has been conducting an experiment in war-making for more than 13 years now: there have been full-scale invasions and occupations, counterinsurgency struggles that lasted years, special ops raids of every sort, the application of overwhelming air power in a variety of ways, including an air intervention in Libya, drone assassination campaigns across the backlands of the Greater Middle East, the loosing of cruise missiles, even the first cyberwar in history. Trillions of dollars have been spent; American troops have been deployed to war zones over and over again; almost 7,000 American lives have been lost (while thousands of active duty soldiers and reservists have, in the same period, committed suicide); tens of thousands of Americans have been wounded in action, hundreds of thousands of civilians and enemy fighters in those war zones have died, and millions of people have been uprooted and sent into internal exile or forced out of their countries. In the process, significant parts of the Greater Middle East and more recently Africa have been destabilized in devastating ways.

Schlimmer noch: Mit der jüngsten Wahlen ist die Kriegspartei in Washington noch stärker geworden, schreibt Engelhard im Salon:

Right now, no matter who wins in 2016, it’s shaping up to be war to the horizon in Washington.
…. In fact … the military, while indeed frustrated, is actually riding ever higher in the nation’s capital.

Wenn man den ganzen Artikel von Tom Engelhard gelesen hat, ist einem auch das hämische Grinsen über sein Journalistienbashing vergangen. Das Erschrecken ist nur umso grösser.

Wer sich nicht erschrecken will, soll weiter 20Minuten lesen oder den Tagi oder die BaZ oder die FAZ oder den Spiegel oder all die Andern kommerziellen Medien in Europa, die nur die amerikanischen Mainstream-Medien kopiern, welche wiederum in einer „unanimity“ über das Thema schreiben, wie Tom Engelhard beklagt, „that crossed political lines, the accounts read as if written by a single reporter.“

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