Ein UNO Report schlägt ein "wie eine Bombe": Ruandischer "Genozid" im Congo.

Bild: Ruandische Truppen im Ost-Kongo 2009
Die französische Zeitung Le Monde hat auf ihrer Internetseite  gestern Nachmittag einen „quasi definitiven“ Report der UNO zu den Ereignissen 1993 – 2003 in Zaire/Congo veröffentlicht. Der Bericht beschuldigt offenbar 8 Länder, die am 10 Jahre dauernden Krieg beteiligt gewesen waren, verschiedener Verbrechen. Wie viele Menschen im Kongo in der Zeit des Bürgerkriegs mit Beteiligung halb Afrikas umgekommen sind, weiss niemand. Die UNO geht aber von über 1 Million getöteten Menschen, vor allem Zivilisten, aus.

Für grosse Unruhe sorgt insbesondere der Teil des UN-Reports, der die ruandische Armee beschuldigt 1996 bis 1998 im Kongo systematisch aus Ruanda geflohene Hutus umgebracht zu haben. In der von Le Monde veröffentlichten Fassung spricht der Bericht offenbar explizit von „Völkermord“. Die definitive Fassung soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
Die Agentur Reuters zitiert ebenfalls aus dem Report: „The systematic and widespread attacks (against Hutus in Congo) described … reveal a number of damning elements that, if proven before a competent court, could be classified as crimes of genocide.“  Und weiter:
„The extensive use of edged weapons … and the systematic massacres of survivors after (Hutu) camps had been taken show that the numerous deaths cannot be attributed to the hazards of war or seen as equating to collateral damage.“

Beobachter sind sich jetzt schon einig: Ruanda, und nicht zuletzt sein Präsident Paul Kagame, wird durch den Report international schwer unter Druck geraten. Der Kongo-Spezialist Jason Stearns spricht im Christian Science Monitor heute abend von einem „UN Bericht wie eine Bombe“ („A Bombshell UN Report“). Dies ist für das kleine Land, das sich unter der Regierung Kagame seit dem Völkermord vor 16 Jahren zu einem Vorzeigestaat in Afrika und zum Liebling der westlichen Geldgeber entwickelt hat, eine höchst gefährliche Entwicklung.

Die Internet-Site „Congo Siasa“ (auf der Jason Stearns regelmässig bloggt) hat inzwischen die für Ruanda heikelsten Passagen des UN-Reports im Wortlaut hier veröffentlicht.

Die UNO zeigt sich „enttäuscht“ über die Veröffentlichung des Report-Entwurfs durch Le Monde. Man habe die Zeitung darauf aufmerksam gemacht, dass dies nicht die endgültige, offizielle Fassung sei.

Der Bericht der UNO erscheint kurz nach dem erneuten Erdrutsch-Wahlsieg (93%) von Paul Kagame in den Präsidentschaftswahlen in Ruanda Anfang August. Im Vorfeld der Wahlen hatten insbesondere westliche Medien eine ganze Reihe von Artikeln publiziert, die Kagame zumindest der Mitwisserschaft an Kriegsverbrechen seiner Tutsi-Armee (RPF) bezichtigten. Unter Kagamés Kommando hatte die RPF 1994 den Völkermord in Ruanda beendete und die Hutu-Schlächter über die Grenze in den Ost-Kongo verfolgt.

Das Thema muss/wird Contextlink weiter verfolgen.

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