FIFA-Kolonie Südafrika

Auf den ersten Blick scheint es nur eine absurde, aber amüsante Posse zu sein und ein perfekter PR-Coup der holländischen Brauerei Bavaria: Die „Staatsaffäre um die „Beer Babes“. Zwei „Rädelsführerinnen“ aus einer Gruppe von 36 Holländerinnen , die zum 1. Runden-Spiel Holland-Dänemark mit in ihren orangenen Kleidchen vielen Fans die Augen verdrehten, wurden von der südafrikanischen Polizei verhaftet. Sie sollen wegen „Schleichwerbung“ vor ein südafrikanisches Gericht gestellt werden.

Dass die FIFA eine Gelegenheit gesucht hat, um gegenüber ihren sehr viel Geld zahlenden Hauptsponsoren beweisen zu können, dass sie ihre Exklusivität schützt und energisch gegen sogenanntes „Ambush-Marketing“ („Trittbrettfahrer-Werbung“) vorgeht, war schon vor Beginn der WM klar. Die Bierbrauerei aus Holland kann nur begeistert sein, dass sie es war, an der die FIFA das Exempel statuiert. Mehr Aufmerksamkeit hätte sie auch mit einer viel teureren Kampagne nie erreichen können.

Was wirklich frappiert ist nicht die Dummheit der FIFA, sondern die Willfährigkeit des Staates Südafrika. Wer hat der südafrikanischen Polizei aufgrund welchen beklagten Tatbestands befohlen, die fröhlichen jungen Frauen zu verhaften und ihnen den Pass wegzunehmen? Warum haben die zuständigen südafrikanischen Behörden, die FIFA nicht einfach aufgefordert, ordentlich – wie alle anderen Personen und Körperschaften in einem Streitfall um Markenschutz – gegen die Bavaria zu klagen? Warum hat man die FIFA nicht einfach darauf aufmerksam gemacht, dass sie es selbst in der Hand hat, wen sie bei ihrem privaten Anlass Fussball-WM in eines der von ihr gemieteten Stadien lässt.

Was hat Südafrika wohl schon bei der Bewerbung für die WM und schliesslich bei den offiziellen Ausrichter-Verträgen mit der FIFA unterschreiben müssen, dass die staatlichen Behörden jetzt offenbar gezwungen sind, so vorzugehen? Ganz offensichtlich hat die FIFA neues, temporäres Recht in Südafrika geschaffen, das wohl kaum mit den geltende Bestimmungen eines unabhängigen Rechtsstaates vereinbar ist.

Ãœbrigens: Ganz Ähnliches hat auch die UEFA 2008 in der Schweiz anlässlich der Fussballeuropameisterschaft (vergeblich) versucht: Sie wollte die Hostcities zwingen, polizeilich z.B. gegen Bäckereien vorzugehen, die ein „Euro-Brötli“ verkaufen wollten, ohne die UEFA dafür zu bezahlen.

Wir dürfen gespannt sein, wie die offizielle Anklage gegen die zwei jungen Holländerinnen in Südafrika lauten wird, gegen welches südafrikanische Gesetz sie verstossen haben sollen. Die Behörden können eigentlich nur hoffen, dass die Holländerinnen jetzt nicht den südafrikanischen Staat auf Schadenersatz einklagen. Dann müsste nämlich ein südafrikanisches Gericht u.a. rechtfertigen, warum man zwei fröhlichen Touristinnen, deren Bilder als beste PR für das „Gastland“ Südafrika um die Welt gegangen sind, verhaftet hat.

Mit grösster Wahrscheinlichkeit, wird die Affäre der „Bavaria Babes“ und das jetzt eingeleitete Verfahren NACH der WM klammheimlich beerdigt. Niemand ist an einer wirklichen Fortsetzung interessiert: Die FIFA hat gegenüber ihren Hauptsponsoren ihre Kompromisslosigkeit bewiesen, die Bavaria hat mehr PR gehabt, als sie sich träumen konnte und für Südafrika wäre das Verfahren nur peinlich.

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