"Hinweise" für Schiedsrichterbestechung an der Fussball-WM. Oder: "Kill the messenger."

Bild: „The Guardian“  (von links: Capello, Trieman, Beckham)

Nicht einmal einen Monat vor dem Start zur Fussball WM in Südafrika liess einer der gewichtigsten Fussballfunktionäre, Baron David Triesman, Präsident des Englischen Fussballverbands und Chef der Bewerbung Englands für die Fussball WM 2018,  vor einer Woche eine Bombe platzen:

„Spanien sucht Unterstützung bei Russland, um Hilfe bei der  Bestechung der Schiedsrichter an der Weltmeisterschaft zu erhalten.“ (Originalton zu hören bei MailOnline)

Die Aufregung in England ist gross, aber nicht etwa wegen der „Enthüllung“, dass im Fussball wiedermal mit viel Geld betrogen wird. “ Nein. Man ist empört über dem Ãœberbringer der Botschaft, Baron Triesman. Nicht WAS er erzählt, ist der „Skandal“, sondern, DASS er es gesagt hat.
Denn – davon ist man in der Fussballwelt überzeugt -  damit sind die Chancen Englands, den Zuschlag für die Ausrichtung der WM 2018 zu erhalten auf Null gesunken.
Baron Triesman musste per sofort von allen seinen Aemtern im Fussballbusiness zurücktreten. Die englischen Boulevard-Medien bolzen Auflage mit der Story um die angebliche oder realen Affäre des Lords mit Melissa Jacobs, Triesmans Privatsekretärin in der Zeit als er Staatsminister war. Jacobs hatte Lord  Triesmans Aussagen bei einem privaten Mittagslunch aufgezeichnet und letzte Woche den Medien zugespielt. (Melissa’s Blog hier; mit vielen Detail über ihre Beziehung zum Ex-Minister)

Der Inhalt von Triesmans Aussage scheint in England und auch in der übrigen Fussballwelt niemanden zu interessieren. In den Medien wird kaum weiter nachgefragt. Niemand verlangt, dass der Baron seine Behauptung belegen soll. Vielleicht, weil die meisten gar nicht daran Zweifeln, dass die Aussage wahr ist, weil man das Schmiergeldzahlen im Fussballbusiness für „normal“ hält – nicht nur in Form von Schiedsrichterbestechungen. Vielleicht will man uns aber auch einfach die Vorfreude auf die anstehenden WM nicht mit einem neuen, unappetitlichen Kapitel aus dem endlosen Fussball-Sumpf-Saga verderben.

Dass da aber mehr hinter der Sache stecken muss, als nur eine inner-englische Soap-Intrige, zeigt die (späte) Reaktion der FIFA in Zürich: Sie hat am 21. Mai Interpol eingeschaltet.
FIFA-Generalsekretär Valcke: „We cannot go to the World Cup with the feeling that something is going on there.“ …. „There cannot be another story that comes out about match-fixing. We have to stop this at once. The World Cup is the most important asset we have.”

Unprofessional Foul liefert dazu eine „Ãœbersetzung“: „If we call in the European feds, then maybe everyone will stop asking us questions about this mess and bother Interpol instead.“

Sehr dünn ausgefallen ist auch die Reaktion der FIFA bezüglich eine mögliche Auswirkung der Aussagen Baron Triesmans auf Englands Kandidatur-Chancen: “It is quite difficult to speculate about the potential impact on England’s bid. There are still six months to go until the bid announcement and a lot can happen in six months.”

Unprofessional Fouls „Ãœbersetzung dazu: „There’s still plenty of time to bribe us and make this right.“

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