Krieg in Nahost: Die Saudis in die Pflicht nehmen. (Up-date 20/11/15)

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Saudisches Flugzeug bombardiert Jemen

Als populistische Reaktion auf die Anschläge IS-Terroristen in Paris rasseln die westlichen Staaten mit dem Säbel. Frankreich meldet zurzeit praktisch jedes Flugzeug, das im Rahmen der Luftschläge der Anti-IS-Koalition unter Führung der USA Einsätze in Syrien fliegt.

Vornehm zurückhalten tun sich die Mitglieder der Koalition aus dem arabischen Raum.
Bruce Riedel hat auf Al-Monitor heute einige Daten zusammengetragen:

  • Die Saudis? Sie haben seit September keine Einsätze mehr geflogen.
  • Bahrain? Im Februar.
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate?: Im März.
  • Jordanien? Im August.

Warum Riedel Qatar nicht erwähnt oder die Türkei, welche nicht mehr als symbolische Luftschläge gegen Stellungen des IS fliegt, weiss ich nicht.

Besonders stossend: das Abseitsstehen der Saudis. Es ist nicht zu verstehen, warum der Westen die Saudis nicht in die Pflicht nimmt.
Denn dass Saudi Arabien und seine Alliierten vom Persischen Golf die Hauptsponsoren des IS waren und wohl bis heute noch sind, gilt inzwischen als weitgehend unbestritten. Und dass die Saudis mit ihren jahrzehntelangen Förderung der islamistischen Extremismus der eigentlich Ursache des islamistischen Terrors sind, ist inzwischen schon fast Allgemeinwissen.

Wie in anderen arabische Städten waren auch in Riad die protzigsten Hochhäuser „in Solidarität mit Frankreich“ in den Farben der Tricolore erleuchtet und Saudi-König Salman hat beim G20-Gipfel in Ankara einige nette Worte gesagt. Die Fakten deklassieren diese Äusserungen.

Statt ihren Beitrag in Syrien zu leisten, „verschwenden“ die Saudis und ihre arabischen Alliierten ihre militärischen Kapazitäten und Ressourcen im Jemen, wo sie in einem inzwischen hoffnungslos festgefahrenen Stellvertreterkrieg ungestraft und von den Medien kaum abgebildet eine humanitäre Katastrophe angerichtet haben. Eine „vielsagende Verschwendung von Ressourcen“ nennt das Bruce Riedel.

Statt Saudi Arabien in die Pflicht zu nehmen, macht der Westen lieber weiter Waffengeschäfte mit dem „Hauptsponsor des Terrors“, rasselt mit dem Säbel und fördert  mit hysterisch-populistischen Massnahmen die muslimfeindliche Radikalisierung in Europa.

Up-date 20.11.2015:

Lese eben ein neues Stück von des britischen ex-Diplomaten Alastaire Crooke, welches die These dieses Contextlink-Artikels bestätigt und verstärkt: „Lost on the Dark Side of Syria“ auf ConsortiumNews. Es beschreibt die aktive Rolle der Saudis im Verbund mit dem Clan der US-amerikanischen Neo-Cons um Dick Cheney, die säkulär-nationalistischen Regimes in Nahost zu stürzen. Konsequent umgesetzt wurde diese saudische Strategie nicht zuletzt in Syrien mit massiver Unterstützung und Bewaffnung der sunnitischen Opposition zum Assad-Regime, inkl. al-Qaida-nahe Organisationen. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, die den IS erst möglich gemacht haben.

 

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