Laptop = Bildung. Und Frieden.

Das Projekt „One Laptop Per Child“ (OLPC) des MIT-Professors Nicholas Negroponte ist wohl eine der bestechendsten und faszinierendsten Ideen unserer Zeit: „Die Kinder verändern die Welt“. Die neue Technologie und das Internet machen es möglich. 1,4 Millionen XO-Laptops hat OLPC bisher weltweit verteilt. In Uruguay, Peru oder Ruanda kommunizieren Kinder nicht nur damit, sie „lernen wie man lernt“ und sie lernen sogar spielend leicht zu programmiern. Eine neue Art des Lernens und des Denkens. (Hintergründe dazu bei Seymor Papert, der auch Berater des Projekts OLPC ist).
Dass das keine Hirngespinste technologieverliebter Pädagogen sind, zeigt der Arte-Film „Ein Laptop gegen die Armut“ vom letzten Dienstag sehr eindrücklich:
(Ist die Qualität des Videos zu schlecht, kann man sich den Film auch hier ansehen).

arte TV: Ein Laptop gegen die Armut (OLPC) from Marc Schaffer on Vimeo.

Entwicklungszentrale des Projekts OLPC für Gesamtafrika ist Ruanda. Peter Beaumont hat jetzt in seinem Artikel „Rwanda’s Laptop Revolution“ im Observer noch einen ganz speziellen Aspekt des Projekts für das vom Genozid 1994 immer noch traumatiserte Ruanda herausgearbeitet: Die Friedensförderung.

Rund 100’000 Laptops will Ruanda an ebensoviele 8- bis 12-jährige Schulkinder verteilen. Neben den Bildungszielen und den damit verbundenen ökonomischen Perspektiven für Ruanda als künftige Drehschiebe Afrikas für Computer- und Informationstechnologie („Ruanda Vision 2020“) soll diese Initiative auch eine Art „Impfung“ der neuen Generation gegen den seit Generationen in der Region grassierenden Virus des ethnischen Konflikts sein:

Samuel Dusengiyumva, einer der Projektkoordinatoren in Ruanda formuliert es im Observer Artikel so: „Das Problem schlechter Bildung ist, dass  du Informationen nicht gegenchecken kannst, weil du gar keinen Zugang zu (unabhängigen) Informationen hast.“ „Unsere Gesellschaft war vor dem Genozid nicht offen. Jetzt kann ich ins Internet. Ich kann das, was man uns erzählt, gegenprüfen. Ich kann meine eigene Analyse machen.“

Charles Murigande, der Erziehungsminister Ruandas, ist überzeugt, die Laptop-Bildungsoffensive werde die Menschen in Ruanda verändern, „vielleicht sogar beschützen.“
In dem Land, in dem mit aller Macht versucht wird, den ethnischen Graben zwischen den Tutsi und den Hutus zuzuschütten, in dem in regelmässigen Abständen  das Land blutig aufgebrochen ist, soll die Internetbildung der Kinder mithelfen, eine „zusammenhängendere Gesellschaft“ zu bilden. „Wenn unser Land eine in sich geschlossene Gesellschaft bleibt“ , sagt der Minister im Observer-Artikel, „und nur über das Hutu- oder Tutsi-Sein nachdenkt, braucht es nicht viel, um wieder die Bedingungen für einen neuen Genozid zu schaffen. Mit der Welt verbunden zu sein, hilft uns, einen Schutzwall gegen dieses Risiko zu bilden.“
Dieses Nach-Aussen-Schauen statt nur immer nach innen ist offizieller Teil des Unterrichtsprogramms in den Laptop-Schulen Ruandas und genauso wichtig wie das Programmierenlernen.

OLPC gibt’s übrigens auch in de Schweiz. Infos hier.

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