Von Apokalyptikern und Utopisten

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Ich tausche mich immer mal wieder mit meinem Freund Feinstein aus. Über Gott und die Welt, einfach über alles, was uns bewegt, politisch.
Jüngst hat er das geschrieben:

Hoi Andrea

dieses Buch müsste Dich interessieren:
http://www.theguardian.com/books/2016/apr/15/neoliberalism-ideology-problem-george-monbiot
George Monbiot’s How Did We Get into This Mess? is published this month by Verso. 

Gruss
Feinstein

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Meine Antwort:

Die Analyse Monbiots teile ich. Ich würde George Monbiot den linken Apokalyptikern zuordnen. Sie haben recht in ihrer Analyse, das Klima sei das Zukunftsproblem Nr.1  der Menschheit. Ich teile ihre Sorge. Sie haben auch recht in ihrer Kritik des Neoliberalismus. Aber es geht Monbiot wie der gesamten Mainstreamlinken: sie bieten keine Lösung/Alternative (auch Monbiot stellt das ja fest). Nur den Untergang predigen, hilft wenig. (Diese Haltung ist im Grunde tiefreligiös).

Spannender scheint mir deshalb die neue Bewegung des pragmatisch-optimistischen (linken) Denkens aus dem angelsächsischen Raum: Ecomodernism und/oder Accelerationism. Ihre „Anhänger“ könnte man „die Utopisten“ nennen. Und die Welt braucht dringend ein neue Utopie.

Monbiot weiss noch nicht so recht, ob er die Utopisten unterstützen/mittragen soll: „Their treatises are worth reading. In some important respects they are either right or at least wrong in an interesting way.“

Zur Zeit schlägt  sich Monbiot mit den Utopisten auf einem Randthema, dem Urban Farming .

Der Monbiot des deutschsprachigen Raums ist übrigens Robert Misik. Er hat eben ein sehr lesenswertes und leicht zu lesendes Buch veröffentlicht: Kaputtalismus (). Etwas populistisch formulierend nimmt der in Österreich sehr bekannten Publizist („marxistisch geschult“) den neuen Trend des pragmatisch-positiven (linken) Denkens aus dem angelsächsischen Raum auf, will aber immer noch den Kapitalismus überwinden.

Denn das scheint mir der wirklich neue Trend zu sein, ein für die alte Linke absoluter, kaum denkbarer Tabubruch:
Der Kapitalismus ist nicht das (zu überwindende) Problem, sondern die Lösung.

Dank und mit dem Kapitalismus kann die Menschheit gerettet, eine besser Welt geschaffen werden. Es geht nicht darum, den Kapitalismus zu überwinden, sondern ihn vor den neoliberalen Exzessen zu retten (Robert Reichs Buch: „Saving Capitalism“) , welche den Kapitalismus selbst auffressen.

Es braucht eine neue Aera des Kapitalismus, in welcher der Kapitalismus (wieder) zum Wohl der Allgemeinheit genutzt wird. Die Politik (im Sinne der Allgemeinheit) muss wieder das Primat über die Wirtschaft erhalten, wie es die Akzelerationisten formulieren.

Das Versprechen dieses Trends ist wahrlich optimistisch/utopisch: wir müssen gar nicht auf Wachstum, Genuss und Konsum verzichten. Und dies muss keineswegs auf Kosten der Natur gehen. Im Gegenteil. Wir müssen nur dafür sorgen, dass die uns zur Verügung stehenden Technologien allen zugute kommen.

Speziell interessant – und auch bei Monbiot anklingend – ist der neue Ansatz, das Problem Neoliberalismus nicht mehr via den Aspekt Ungleichheit und Finanzwirtschaft anzugehen, sondern via die Klimaproblematik, via das überragende Problem der Zukunft der Menschheit. Oder, um es mit den Ökomodernisten zu formulieren, es geht um das Management des Anthropzäns.

Das scheint mir die aktuell spannendste Utopie.

Auf bald
Andrea

PS:
Materialien zur neuen Utopie in meinem Flipboardmagazin „Aufbruch“ http://flip.it/HDztH

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