Atomfreundliche Umweltaktivisten

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Ein irritierendes Phänomen aus der angelsächsischen Welt nähert sich dem deutschsprachigen Raum: „Pro-nuclear Environmentalism“, atomfreundlicher Umweltschutz.

Gestern haben in Kalifornien Umweltaktivisten vom „March for Environmental Hope“ den Eingang zur Greenpeace-Zentrale in San Francisco blockiert, um gegen die Schliessung des letzten Atomkraftwerks Diablo Canyon in Kalifornien zu protestieren.

Image-1Noch berichten die Medien im deutschsprachigen Raum kaum über das Phänomen, aber spätestens seit dem Klimagipfel in Paris im Dezember 2015 kann die atomfreundliche Umweltbewegung nicht mehr ignoriert werden.

In einem Brief an die wichtigsten internationalen Entscheidträger bezeichneten 4 namhafte Wissenschaftler die Atomkraft als „only viable path forward on climate change“.
„To solve the climate problem, policy must be based on facts and not prejudice. Alongside renewables, Nuclear will make the difference between the world missing crucial climate targets of achieving them“.

Anders als bei uns, geht es bei der atomfreundlichen Umweltbewegung nicht um ein Entweder (nuklear) – Oder (erneuerbar), sondern um ein Und. Um die Klimaproblematik auch nur einigermassen in den Griff zu bekommen, müssen alle nicht-fossilen Energiequellen, alle CO2-armen Energiequellen, gefördert und genutzt werden – und dazu gehört unbestritten auch die Nuklearenergie.

Heute muss es für alles ein Manifest geben. Die neue Bewegung orientiert sich am „Ecomodernist Manifesto“, welches der aktuell wohl wichtigste Thinktank der neuen Bewegung, das Breakthrough Instititute, 2015 herausgegeben hat.

Die atomfreundliche Umweltbewegung hat schon länger England erreicht. Berühmtester Exponent dort ist Stephen Tindale, bis 2005 Greenpeace-Chef Grossbritannien. Er ruft Klima-Campaigner dazu auf, „pragmatischer“ zu werden: „The should temper their ideological stance.“

Tindale ist einer von vielen „Konvertiten“ aus der Anti-AKW-Bewegung, die inzwischen die Atomenergie als Teil der Lösung der CO2-Problematik sehen. Ein anderer ist Robert Stone, der mit „Pandora’s Promise“ auch eine Art filmisches Manifest der neuen Bewegung geschaffen hat. Sein Dokfilm (auf Youtube findet sich nur eine vollständige Version mit portugiesischen Untertiteln) erzählt auch von den schmerzhaften Erfahrungen, welche ehemalige Anti-AKW-Aktivisten bei ihrem pro-nuklearen Outing erlebt haben:

In der Schweiz ist mir bisher einzig die NGO „Energy for Humanity“ bekannt, welche sich zur neuen Umweltbewegung aus den USA zählt. Bisher ist sie aber erst vereinzelt öffentlich in Erscheinung getreten.

Dies halte ich für eine äusserst spannende Entwicklung. Ich habe deshalb zwei neue Flipboardmagazine eingerichtet, in denen ich Material zur neuen Umweltbewegung sammle: Ecomodernism und Klima.

View my Flipboard Magazine.      View my Flipboard Magazine.

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