Konfliktmineralien, NGO-PR, Medien und Facebook

Gestern habe ich meinen neusten Contextlink-Beitrag zur Kampagne „Sauberes Gold“ auf Facebook gepostet. Heute morgen fand sich unmittelbar über meinem Post ein Werbespot – korrekt mit dem Vermerk „gesponsert“ –  der US-amerikanischen NGO Human Rights Watch HRW.

Inzwischen haben wir ja begriffen, dass Facebook solche Werbung nicht zufällig  schaltet. Es kann also davon ausgegangen werden,  dass auch die PR-Kampagne von HRW nicht zufällig auf Schweizer Facebookseiten auftaucht und speziell auf Seiten von Leuten wie mir, die wohl dem Zielprofil der Kampagne entsprechen.
Ganz offensichtlich läuft da anlässlich der Uhren- und Schmuckmesse in Basel eine grössere Kampagne, für die sich, wohl naiverweise, auch das Schweizer Fernsehen SRF hat instrumentalisieren lassen.  Die „Expertin“ von HRW hatte jedenfalls einen wertvollen PR-Auftritt im wichtigsten Schweizer Medium.

Dass die HRW Propaganda heute Morgen unmittelbar über meinem Post zur selben Thematik stand, dürfte aber Zufall sein.
Weniger Zufall ist aber wohl, dass einige meiner Facebook-Kontakte über dem Werbebeitrag als „Liker“ aufgeführt sind. Ich habe allerdings den Verdacht, dass es sich dabei um sogennante „automatische Likes“ handelt – also solche, die die aufgeführten Facebookernutzer nicht selber geliked haben.

Wie auch immer: Ich empfehle, die Werbung von HRW nicht zu weiter zz verbreiten. Die Kampagne zu den Konfliktmineralien ist so alt wie falsch.
Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie uns solche NGO mit verkürzten Informationen eine schlechtes Gewissen zu machen versuchen, um es für den eigenen Profit zu bewirtschaften. Denn: mehr oder weniger direkt ist jede solche Kampagne ein Spendenaufruf: Donate now! Schick uns Dein Geld!
Dabei ist nicht zuletzt bei der Kampagne zu den Konfliktmineralien, die in den letzten 15 Jahren in den verschiedensten Varianten über uns hereingebrochen ist – von den „Blutdiamanten“ über „Blut in Deinem Handy“ bis zu „Sauberes God“ – längst nachgewiesen, dass sie nicht nur ihr Ziel nicht erreicht, sondern eher das Gegenteilvon dem bewirkt , was sie vorgibt. Nicht nur das Magazin „Foreign Policy“ hat seit Jahren auf die irreführende Information dieser Kampagne hingewiesen:
„The campaign to stop conflict minerals is supposed to be protecting people’s lives in one of the most fragile parts of Africa. In fact, it seems to be doing the opposite.“
Wenn diese Kampagne jemandem nützt, dann der HRW, respektiv ihrem Spendenkonto.
Mit dem Geld werden neue Fundrasing-Kampagnen finanziert und die Heerscharen von Mitarbeitenden der NGO „im Feld“ bezahlt.

Dazu eine Anekdote:
Als ich im vergangenen Dezember in Goma (Demokratische Republik Kongo DRC) war, habe ich zusammen mit einem kongolesischen Freund eines der typischen Expat-Restaurants in der Stadt besucht. Es war voll von Leuten der verschiedensten NGO – keine Ahnung, ob auch Mitarbeiter von HRW dabei waren. „Schau Dir diese Typen“, hat sich mein Freund enerviert, „was zum Teufel tun die hier? Seit mehr als zwanzig Jahren kommen sie her und sagen uns, was wir zu tun haben. – Siehst Du da draussen irgendeine Veränderung?  – Sie bewirken gar nichts. Sie leben davon, das es uns schlecht geht. Das ist ihr Geschäft. Sie halten uns in Abhängigkeit von Ihnen.Wir Afrikaner suchen nicht mehr selbst nach Lösungen für unsere Probleme.Wir haben uns daran gewöhnt, ihren Vorstellungen zu entsprechen. Wir denken, die Weissen sollen uns die Lösung für unsere Probleme bringen.“

Mein Freund arbeitet übrigens auch für eine „westliche“ NGO. Als ich ihn nach seinem Wutausbruch darauf hinwies, zuckte er die Schultern: „Ja, ich gehöre zu den wenigen Profiteuren. Aber ihr sagt doch, ihr wollt der breiten Bevölkerung helfen.“

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