Israel: Krieg zum 70. Geburtstag

Im Zug unterwegs nach Zürich lese ich heute Mittag in den Schweizer Online-Medien über die brutale Niederschlagung der Proteste der Palästeninenser (gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem) durch die israelische Armee – am Bahnhof Baden zieht eine pro-Israel-Werbung vor dem Zugfenster vorbei (Bild oben). Was ist hier falsch?

70 Jahre Israel. Und gut 100 Jahre ist es her, seit der britische Aussenminister Balfour den Zionisten Palästina „zur Errichtung einer Heimstätte“ angeboten hat, ohne die dort lebenden Palästinenser auch nur zu fragen, was sie davon hielten.
„Middle East Eye“ macht heute ein polemisch-erhellendes Gedankenspiel: Was, wenn England den Zionisten damals Wales als Homeland angeboten hätte? Sähen wir heute Strassenschlachten in Cardiff?

Gleichzeitig lese ich in den internationalen Publikationen, die auf den Mittleren Osten spezialisiert sind, einige sehr beunruhigende Einschätzungen zur hochexplosiven Lage in der Region. Zum Beispiel diejenige von John Jenkins, dem ehemaligen britischen Botschafter in Saudiarabien „The War between the Middle East Wars“ oder Bruce Riedels „Don’t let Israel and Saudiarabia Drag the USA Into an Other War“.

Zumindest einen Krieg zwischen Israel und Iran halten viele für wahrscheinlich. Bruce Schapiro schreibt im CSS-Blog der ETH Zürich, der Iran sei praktisch gezwungen, endlich auf die (auch militärischen) israelischen Provokationen zu reagieren, wenn es nicht sein Gesicht als Führungsmacht in Nahost verlieren wolle.
Um (zunächst) nicht selbst Krieg zu führen, könnte Iran die Hisbollah vorschicken. Erster Leidtrander eines Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah wäre der Libanon. Aber eine Eskalation mit einem Flächenbrand über ganz Nahost wäre kaum vermeidbar.

Und deswegen verstehe ich die Israelis nicht: Langfristig kann der Verlierer einer grossen Bereinigung in Nahost nur Israel heissen. Ich zweifle, dass es in 70 Jahren immer noch einen Staat Israel geben wird.

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