Die Zukunft der Elektroautos liegt in Bolivien: Der Rohstoff Lithium

Die Zukunft des Autos ist elektronisch. Das hat inzwischen – dank der Wirtschaftskrise – auch die Automobil-Industrie begriffen. Jetzt endlich forcieren sie die jahrzehntelang vernachlässigte Forschung am abgasfreien Elektro-Antrieb.
Das Hauptproblem ist allerdings noch nicht gelöst: Die Speicherkapazität der Batterien. Nicht nur die Technik ist ein Problem: Noch wenig bekannt ist, dass es auch am nötigen Rohstoff fehlt. Basis der Lithium- Ionen-Akkus in den Autos ist der Rohstoff Lithium. Und auch dieser Rohstoff ist rar. Wir haben ein „Problem mit dem Lithium“. Es gibt auf der Erde zu wenig Lithium, um die geplanten Millionen-Flotten von Hybrid- und Elektroautos anzutreiben.

Und – auch das ist für Manche ein Problem – die Hälfte der bekannten Lithiumvorräte dieser Welt liegen in Bolivien, unter dem Uyuni-Salzsee, auf rund 3700 Meter über Meer in der unwirtlichen Atacama Wüste. Jahrhundertelang haben Fremde die Rohstoffe des armen Andenstaates ausgebeutet. Zuerst die Spanier (Silber) und dann internationale Rohstoffkonzerne. Bolivien und die Bolivianer selbst hatten – mit Ausnahmen einer kleinen Gruppe von lokalen Oligarchen – wenig davon. Der ganze Reichtum aus dem bolivianischen Boden – sei es Silber, Zink, Oel, Gas oder Soja – floss ins Ausland. Seit 2006 ist das anders. Seit seinem Machtantritt hat der erste indianische Präsident eines lateinamerikanischen Landes den ausländischen Rohstoff-Firmen und den einheimischen Oligarchen Bedingungen aufgezwungen, die den Staat und damit die Bevölkerung Boliviens an den Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft beteiligen.

Und auch in Sachen Lithium hat Präsident Morales von Anfang an klargestellt, dass der bolivianische Staat den Abbau des „grauen Golds“ kontrollieren will: „Wir suchen Partner – nicht Herren“, hat er u.a. gegenüber dem österreichischen „Standard“ gesagt.

Die Westmedien setzen schon reisserische Titel: Bolivien könnte „Mit Lithium reich wie Saudiarabien werden“ („Der Standard“) oder „Salziges Gold“ („Süddeutsche Zeitung“). Und der „Spiegel“ schreibt: „Es ist kaum zu glauben, dass der Rest der Welt, angeführt von großen Industriestaaten wie etwa Deutschland, Japan und den USA, irgendwie von dem desolaten Salzsee in Bolivien abhängig sein könnte. Doch genau das wäre der Fall, wenn die Regierungen, Rohstoffkonzerne und Autohersteller des Westens weiterhin energisch auf eine Zukunft mit Millionen von Hybrid- und Elektroautos setzen – auf leise summende Antriebe mit Akku-Paketen und Ladestationen mit Stromkabeln und Steckern anstelle von Tankstellen, Zapfsäulen und Tankrüsseln.“

Doch Bolivien geht das Problem langsam und sichtlich gelassen an. Die Preise für Lithium steigen kontinuierlich und am Uyuni-See wird erst eine Versuchsfabrik gebaut, wie der sehr informative, zweiteilige Report von ArteTV zeigt, den ich ans Ende dieses Contextlink-Beitrags stelle.

Zuvor aber noch das:
Der Westen, die Auto produzierenden Industriestaaten haben alles Interesse daran, dass Bolivien stabil bleibt. Doch diese Stabilität ist sehr gefährdet. Am kommenden 6. Dezember finden in Bolivien Präsidentschaftswahlen statt. Evo Morales dürfte die Wahlen gewinnen. Doch internationale Beobachter fürchten, das es nach den Wahlen zu einer erneuten Eskalation der innenpolitschen Situation kommt. Insbesondere die von Morales etwas kürzer gehaltenen (meist weissen) Oligarchen drohen mit der Teilung des Landes. Offen reden sie von einem Bürgerkrieg und einer Abspaltung des reicheren, im Osten gelegenen Tieflandes. Nicht, dass ein Bürgerkrieg westliche Rohstoffkonzerne bisher daran gehindert hätte, die Rohstoffe eines Landes trotzdem auszubeuten. Aber mit Sicherheit, ist ein friedliches und sicheres Bolivien für den Abbau des so wichtigen Rohstoffes Lithium günstiger, als wenn das Land in einem gewalttätigen Chaos versinkt.
Vielleicht aber ist das Lithium auch eine Chance für Bolivien: Die Oligarchen könnten es sich angesichts der formidablen Gewinnaussichten mit dem Lithium im westlichen Hochland vielleicht doch noch einmal überlegen, ob sie es mit einer Abspaltung des östlichen Tieflandes wirklich ernst meinen.
Und für Morales bedeutet das Lithium die reale Chance, zumindest einen Teil der Hoffnungen, die man in Bolivien, in Südamerika und in der ganzen Dritten Welt auf ihn setzt, wahr zu machen.

„Lithium. das graue Gold“ Report Arte TV 2009:
Teil 1:

Teil 2:

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