Alarm aus Ruanda

Foto: Marc Hoogsteyns

„Burundi is heading for an even bigger disaster!
Madness is on the rise in the country and this might erupt in a major crisis that could set aflame the whole region.
In the beginning of April 1994 in Rwanda we all knew something really bad was going to happen but the international community did nothing to stop the madness. How can one justify that?
Please world! Wake up and help the Burundians!“

Diese Alarmmeldung hat heute Nacht Marc Hoogsteyns, befreundeter Journalist aus Ruanda, auf seinem Facebook-Account verbreitet.
Hoogsteyns ist nicht irgendein Wichtigtuer. Er ist der letzte nicht-afrikanische Journalist, der permanent in der Region (in Kigali/Ruanda) wohnt; er hat über den Völkermord in Ruanda 1994, die grossen afrikanischen Kriege im Kongo um die Jahrtausendwende und seither über alle Krisen in der Region der Grossen Seen in Afrika berichtet; er verfügt über erstklassige Kontakte in der Region, nicht zuletzt auch zu den ruandischen Militärs.

Und der unmittelbare Anlass für Marcs Alarm ist ein militärischer: Burundi hat in diesen Tagen drei grössere Truppenverbände an der Grenze zu Ruanda zusammengezogen.

Marc Hoogsteyns (Bild: Andrea Müller 12/2017)
Marc Hoogsteyns (Bild: Andrea Müller 12/2017)

Marc ist zurzeit unterwegs im Grenzgebiet zwischen Ruanda und Burundi.
„We talked to a number of local Burundian officials in the border area and some of them told us that the word is out that very soon these groups might launch an all-out attack against Rwanda.

Es sei nicht die offizielle Regierungsarmee Burundis, welche den Angriff lancieren werde, sondern die Imbonerakure, die berüchtigte Miliz der burundischen Hutu-Extremisten, welche direkt auf die Befehle des Präsidenten Burundis, Pierre Nkurunziza hört.

„This info was confirmed by local Imbonerakure chiefs“, schreibt Hoogsteyns, „who told us that this is not their call but who are too afraid to question the orders they received.“

Da ist er wieder, der hässliche Geist der Hutu/Tutsi-Rivalität, respektive der Machtansprüche ihrer Führer, welche schon soviel unvorstellbares Leid über die Region gebracht hat: 1994 Genozid in Ruanda, 1996 bis 2002 Krieg und Millionen Toten im Kongo; jetzt Burundi?

Schon länger gehen die Leute, die sich in der Region auskennen, davon aus, das die nächste grosse Hutu/Tutsi-Katastrophe in Burundi stattfinden wird.
Es brodelt schon lange in dem kleinen Land, in dem fast nichts funktioniert ausser der Rassismus. Marc hat schon bei unserer gemeinsamen Reise letztes Jahr im Grenzgebiet mit grosser Besorgnis von Burundi gesprochen. Jetzt schreibt er: „The Burundian kettle in which already hundreds and thousands of innocent Burundians were boiled alive is now slowly cooking over.“

Foto: Marc Hoogsteyns

Während das benachbarte Ruanda nach dem Völkermord unter der neuen Tutsiregierung um Paul Kagama zum einem afrikanischen Erfolgsmodell aufgeblüht ist, ist Burundi unter verschiedenen Huturegierungen immer tiefer in Elend und Chaos versunken.

Staatspräsident Nkurunziza hat zwar eben erklärt, er werde bei den Wahlen 2020 nicht mehr antreten. Aber niemand glaubt ihm. Vielmehr scheint ihm jedes Mittel Recht, um sich und seine Clique an der Macht zu halten.

Pierre Nkurunziza, Präsident Burundi

„So an all-out war against Rwanda in which the Imbonerakure would be wasted as genuine cannon fodder might be his last hope to save his position.“

Nkurunziza hat schon seit einiger Zeit versucht, Ruanda zu einer militärischen Aktion gegen Burundi zu provozieren, in der Hoffnung, Nachbarstaaten wie Uganda oder Tansania oder gar Südafrika , denen Ruandas Erfolg ein Dorn im Auge ist, würden dann zu seinen Gunsten intervenieren.

Doch Ruanda ist nicht in die Falle gegangen: Es hat sowohl die Finanzierung und den Aufbau einer Hutu-Miliz der ruandischen Opposition durch Burundi gelassen zur Kenntnis genommen, wie auch einzelne Überfälle dieser Miliz auf ruandisches Gebiet ohne nennenswerte Reaktion erduldet.

Vielleicht, schreibt Hoogsteyn, hoffe Nkurunziza, sein Ziel doch noch zu erreichen, wenn er Ruanda frontal angreift. Dass ein solcher Angriff ein militärisches Desaster für die Burunder sein würde, weil Ruandas gut ausgebildete Armee den Angreifern weit überlegen ist, bezweifelt wohl nicht einmal Nkurunziza. Aber vielleicht hofft er, dass Ruanda die fliehenden Hutumilizionäre der Imbonerakure diesmal nach Burundi hinein verfolgen werden und dass sich damit vielleicht die burundische Armee, deren Loyalität der Präsident heute bezweifelt, hinter ihn stellen werde oder gar die Nachbarn doch noch helfend eingreifen werden oder ….

Marc Hoogsteyns, der die ruandische Regierungsspitze und ihre Militärs sehr gut kennt, ist aber überzeugt, dass Ruanda Nkurunziza diesen Gefallen nicht tun werde.
Dann aber, fürchtet Marc, könnte die Huturegierung Burundis einen Völkermord an den Tutsi in Burundi nach dem Vorbild ihrer ethnischen Brüder in Ruanda 1994 inszenieren:

„Nkurunziza & co might also create unrest and killings in other parts of the country and put the blame on the Rwandans or the anti-Nkurunziza rebel groups. And when this happens a lot of people will die ! I’ve seen doom scenario’s like these turn into reality in the past.“

Würden wir wieder zusehen?

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