SRF-Kassensturz: Beispiel der Voreingenommenheit.

Beim Zappen bin ich heute über den Kassensturz von SRF gestolpert, den ich mir sonst seit Jahren nicht mehr ansehe. Der Ausschnitt, den ich gesehen habe, hat alle meine (Vor-)Urteile bestätigt: Nicht nur der Moderator ist immer noch derselbe, sondern auch die boulevardeske Voreingenommenheit. Es ging um ein altes Lieblingsthema der Redaktion: die Gentechnik.

Das Thema des Kassensturz-Sendeblocks – gefühlt zum hundertsten Mal – Baumwolle aus Indien.
Der Schocker natürlich gleich zu Beginn der Moderation: „In praktisch jedem Kleidungsstück aus Baumwolle hat es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Gentech-Baumwolle.“
Ganz offensichtlich geht die Kassensturzredaktion und ihr Moderator Ueli Schmezer (Gratulation: der hält sich scheinbar ewig) davon aus, dass dieser Schocker die Zuschauer so empört, dass sie sich den folgenden Beitrag ansehen.

Auf die Inhalte des ganzen Themenblocks dieser Sendung möchte ich hier im Detail nicht eingehen. Was mich frappiert, ist die Beispielhaftigkeit der Voreingenommenheit des Kassensturzes; geteilt wohl von allen andern Redaktionen und fast allen SRF-Mitarbeitern. Höchstens noch beim Thema Atomenergie herrscht eine ähnlich einhellige Voreingenommenheit bei SRF wie bei der Gentetchnologie.

Genetchnisch veränderte Pflanzen? Selbstverständlich schlecht. Beim Kassensturz ein simples Faktum. Von diesem ideologischen Standpunkt aus wird Alles angesehen. Keine Spur von kritische Hinterfragung, der angeblichen Grundhaltung des Konsumentenmagazins.

Alles Weitere, von der Moderation über die Reportage bis zur Auswahl der Befragung des „Experten“/Studiogasts, trieft von dieser Voreingenommenheit: Man/Frau geht auf Reportage geführt einer (wenn immer möglich schweizerischen) NGO, die von dem Thema lebt, das sie kritisiert. Man zeigt deren Beispiele, interviewt die Leute, denen sie einen zugeführt.
(Ich weiss, wovon ich spreche; ich habe das jahrelang sehr wohlmeinend gemacht).
Dann lädt man einen Experten ins Studio ein: selbstverständlich ein Vertreter der Lobbying-Organisation, welchen die Reise und alle Kontakte vor Ort vermittelt hat, deren Business die zurzeit – wegen der anstehenden Abstimmung über die Konzernintiative – wieder besonders aktuelle Opposition gegen die „Multis“ ist. (Deshalb: Schade, dass das Feindbild diesmal/wiedermal Monsanto sein musste. Besser wäre die schweizerische Syngenta gewesen).

Zum Schluss dann noch das Ausgewogenheitsfeigenblatt: Eine zwei-Satz-Stellungnahme des kritisierten Multis. Vermittelt vom Moderator in der Haltung einer lästig-lächerlichen Pflicht: hahah… .

Für mich war der gesehene Sendungsausschnitt des Kassenturzes nur eine Betsätigung meines Vorurteils: langweiliges More-of-the-Same.
Aber die Wirkung auf das treue SRF-Publikum (und die Politik): steter, jahrzehntelanger Tropfen hat den Stein gehöhlt. Die Botschaft, dass Gentechnologie des Teufels ist, ist in der Schweiz praktisch Allgemeingut. Logisch-pragmatisch deshalb die Anpassung der Kleiderindustrie und des Detailhandels: sie bewirbt ihre Produkte mit dem Label „nachhaltig“ oder gar „gentech-frei“. Dass sie dabei schummeln muss, ist nur logisch (und uns Konsumenten ziemlich egal): es gibt praktisch keine gentechfreie Baumwolle – super für den Kassensturz: Er kann die selbstinszenierte Empörung weiter bewirtschaften.

This entry was posted in Ernährung & Landwirtschaft, Gentechnologie, Journalismus, Medien. Bookmark the permalink.

One Response to SRF-Kassensturz: Beispiel der Voreingenommenheit.

  1. Kurt Senti says:

    Andrea Müller hat offenbar nicht richtig hingesehen und hingehört. Es wurde nämlcih auch gesagt, dass die Schädlinge inzwischen zum Teil gegen die Gentech-Baumwolle resistent geworden sind.

Schreiben Sie einen Kommentar zu Kurt Senti Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.