Lasst uns alle Profiteure des Klimawandels werden.

Natürlich sind sie Profiteure des Themas „Klimawandel“ – die Köpfe, welche die Weltwoche in ihrer aktuellen Ausgabe „an den Pranger“ stellt. Natürlich „leben“ sie von dem Thema, sei es, dass es ihre Stelle sichert oder sie deswegen gewählt werden und sie deshalb direkt oder indirekt mit dem Thema Geld verdienen.
Aber: ich kann nicht verstehen, was die Empörung soll. Was soll daran schlecht sein, Geld zu verdienen mit dem Thema Klimawandel?

„Klimawandel ist der Wachstumsmotor des 21. Jahrhunderts“, schreibt die renommierte „Global Commission on the Economy and Climate„. Gemäss ihrer aktuellen Studie ist der Klimawandel global ein 26 Billionen Dollar Geschäft. Wenn wir in den nächsten 2-3 Jahren die richtigen Entscheidungen treffen, könnten bis 2030 global 65 Millionen neue kohlenstoffarme Arbeitsplätze geschaffen werden und über 700.000 frühzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung vermieden werden.

Zu den Profiteuren gehören nebst den von der Weltwoche jetzt angeprangerten Wissenschaftlern und Politikern auch die zahlreichen NGO und deren Mitarbeitende, die genauso vom Thema Umwelt leben wie zahlreiche Mitarbeitende staatlicher Behörden (von den Umwelt- oder Raumplanungs- oder der Energiebehörden oder …). Nicht zuletzt lebt auch eine rasch wachsende Zahl von Unternehmen in der Schweiz vom Klimawandel – nicht nur die grossen internationalen Firmen wie Glencore oder die Pharma- und die Agrounternehmen, sondern auch zahlreiche KMU.
Die Weltwoche bietet in ihrem Artikel „Auf der Gewinnerseite“ einen guten Überblick über die Vielfalt der Schweizer Unternehmen, deren Geschäftsmodell der Klimaschutz ist – respektive das damit verbundene Business.

Welche wirtschaftlichen Chancen der Klimawandel in den Bereichen Verminderung der CO2-Emissionen und Anpassung bietet, scheinen in der Schweiz bald nur noch die bürgerlichen Parteien, ihre politischen Exponenten und ihre Wirtschaftsorganisationen nicht begriffen zu haben.

Zu denen, welche die Chance erkannt haben, gehörten im Übrigen auch die Weltwoche: sie macht den Klimawandel zu ihrem Titel, weil sie offenbar überzeugt ist, damit ihre Stammleser zu befriedigen und vielleicht sogar ein paar neue Käufer ihres Produkts gewinnen zu können.
Ich hoffe, das die Weltwoche bald „ihre“ bürgerliche bis rechts-konservative Klientel ermuntert, die Chancen des Klimawandels – zum Wohl der Schweiz.

PS:
Natürlich erkenne ich die Absicht der Weltwoche, Wissenschaftler wie die Professoren Stocker oder Knutti oder Politiker wie Nordmann oder Grossen zu diskreditieren. Sie sind die wichtigsten Zeugen und Exponenten der Parteien, die zum Feindbild der Weltwoche gehören und die zurzeit bei den Wählern Konjunktur haben.
Die unterschwellige Aussage lautet: „Glaubt ihnen nicht, sie sind gekauft.“
Damit bedient sich die Weltwoche eines Totschlagarguments, das üblicherweise links-grüne Kreise gebrauchen, um Leute und Institutionen aus dem Feld zu schlagen, die Kraft ihres Knowhows oder ihrer Funktion/Position eine hohe Glaubwürdigkeit besitzen, es aber wagen, ihnen bei Themen zu widersprechen, in denen sie die alleinige Deutungshoheit beanspruchen (z.B. Umweltschutz oder Energie).

Ein Wissenschaftler zum Beispiel, der mal in einem Programm mitgearbeitet hat, das von der Pharma- oder der Agrarindustrie mitfinanziert wurde, gilt als disqualifiziert, je wieder öffentlich z.B. über die Gentechnologie oder über Pestizide in der Landwirtschaft zu reden.
Es gibt keinen Platz mehr für Differenzierungen:
Wer es wagt, nicht nur vor den Gefahren des Klimawandels zu warnen, sondern auch von dessen Chancen redet, ist in den Augen der einen Extremisten schon ein Klimaleugner.
Wer ehrlich besorgt ist ob der drohenden Erwärmung der Erde und sich für rasche Massnahmen stark macht, gilt den andern Extremisten als Opfer der linken, von den Medien multiplizierten Propaganda.

Das Klima steckt in der Populistenfalle. Die politischen Parteien versuchen, das Thema (pro oder contra) für sich zu vereinnahmen und für ihre kurzfristigen (Wahl-)Interessen auszubeuten.
Warum ist es nicht möglich, dass einmal alle an einem Strang ziehen und die Chancen des Klimawandels zu nutzen – für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Schweiz und als vielversprechende Perspektive für die kommenden Generationen.
Lasst uns alle Klimaprofiteure sein.





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