Xinjiang: Chinas Wilder Westen

Fotos: AP/Reuters Urumqi Juli 2009

Die Provinz ganz im Westen Chinas, Xinjiang, wird seit Tagen von Unruhen erschüttert. Mit aller Härte versucht die chinesische Zentralregierung die Unruhen niederzuschlagen.
Noch bevor die Unruhen losgingen hat Parag Khanna auf seiner Homepage spannende Hintergründe aus dem „Wilden Westen Chinas“, wie er die Provinzen Tibet und Xinjiang nennt, geliefert.

Karte: Stratfor

„Psychologisch“, schreibt Khanna in seinem sehr ausführlichen Artikel „China’s Final Frontier“, „ist China ohne Xinjiang und Tibet wie Amerika ohne das Land westlich der Rocky Mountains.“ Auf seiner 3000 Kilometer langen Reise durch die Westprovinzen Chinas, Tibet und Xinjiang, hat Khanna auch festgetsellt, was Stratfor sorgfältig auflistet: Die Chinesen, genau die Han-Chinesen, nehmen demographisch im muslimischen Westen Chinas gegenüber der einheimischen, turkstämmigen Bevölkerung der Uiguren überhand: „Die Migrationspolitik der Regierung hat die ethnische Balance verschoben: Ende 2007 war das Verhältnis zwischen Han und Uiguren 46:54. In Urumqi, der Hauptstadt der Autonomen Provinz Xinjiang Uigur, sind die Han mit 73:27 in der Mehrheit.“

Khanna schildert die Hintergründe der aktuellen Probleme. Wie meist geht es zuerst um Rohstoffe: „Tibet und Xinjiang haben das geographische Pech, entweder auf den Bodenschätzen zu liegen, die China will, oder auf dem Weg zu den Bodenschätzen, die China haben will.“ Xinjiang, das so gross wie Texas ist, verfügt über die grössten Rohstoffvorkommen in China für Oel, Gas, Kohle, Uran und Gold. Tibet hat Holz, Uran und Gold.

Dazu kommt der Bevölkerungsdruck aus dem chinesischen Osten: „Da die meisten (Han-)-Chinesen im Osten leben, die Bodenschätze aber im Westen liegen, ist der anhaltende Marsch der Chinesen westwärts unausweichlich“, schreibt Khanna.
Chinas interne Konsolidierung, sei die „Geschichte einer multiethnischen, wiedergeborenen Grossmacht, die Strategien anwende, ähnlich der früheren Westexpansion Amerikas.

Und dann gibt’s da ja auch noch das ewige Streben nach „Einflussgebieten“. In Anlehnung an das historische „Great Game“ zwischen Russland und Grossbritannien um Zentralasien im 19. Jahrhundert und um die „Seidenstrasse“ (siehe Contextlink-Beitrag „Kampf um die Seidenstrasse“) schreibt Khanna: „China ist entschlossen, die 21.Jahrhundert-Version des Great Game in Zenralasien zu gewinnen.“ Und dieses Einflussgebiet geht über die Westprovinz Xinjiang hinaus in die unendlichen Weiten Zentralasiens. Die Mittel, die China jenseits der Grenze anwendet, sind nicht militärisch sondern wirtschaftlich. Sei es, dass man einen Hafen in Pakistan baut oder eine Oelpipeline nach Turkmenistan und/oder Azerbeidschan finanziert; oder im Kleinen, indem chinesische Kaufleute – wie seit Urzeiten – den Kleinhandel in den Provinzstädten Kazakhstans, Kirgistans oder Usbekistans dominieren.

Karte: Stratfor

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