Christliche Fundamentalisten haben US-Armee unterwandert

Bild: www.killingthebuddha.com
„Jesus killed Mohammed.“ Mit diesem Schlachtruf ziehen die Specialforces der US-Armee im irakischen Samara in den Kampf. In arabischen Buchstaben haben sie die Provokation auf ihre Bradley-Panzer gepinselt. Und ein Mann in der Luke des Panzers skandiert den Schlachtruf via Megaphon, während die Soldaten durch die Strassen der Stadt fuhren.

Diese Anekdote erzählt Jeff Sharlet in seinem erschütternden Artikel „Jesus hat Mohammed getötet. Der Kreuzzug für eine christliche Armee.“ für das Harper’s Magazine.

Diese Haltung ist nicht einfach eine isolierte Entgleisung einer einzelnen Truppeneinheit, sondern eine breite Tendenz in der gesamten US-Armee. Das belegt der sehr breit dokumentierte Harper’s-Artikel erschreckend stichhaltig. Ein neues Video von Al-Jazeera thematisiert das gravierende Problem ebenfalls: Die USA-Armee ist von christlichen Fundamentalisten unterwandert.

Gemäss den Recherchen von Harper’s gehören zwei Drittel der im Aktiv-Dienst tätigen Militärpfarrer Evangelikalen oder Pfingst-Kirchen an, oder stehen diesen zumindest nahe. (Eine Ãœbersicht über den protestantischen Fundamentalismus gibt’s z.B. hier: www.infosekta.ch/media/uploads/Tagungsband.pdf )
Vor allem das Offizierskorps der US-Armee ist durchdrungen von Fundamentalisten. Sie sind organisiert in der Vereinigung „Officers’ Christian Fellowship„.

Angesichts dieser Realität scheint die geltende Doktrin der Armee, „Obamas neue Strategie„, mit Schlüsselbegriffen wie „kulturelle Sensibilität“ und auf die Menschen in Af-Pak zugehen, geradezu absurd. Es ist schlicht nicht vorstellbar, wie diese Armee nicht nur die Schlachten in Afghanistan, sondern auch die Herzen der Menschen gewinnen“ soll.

Die amerikanische Buchautorin Anne C. Loveland schreibt in ihrem Buch über die evangelikalen Fundis in der US-Armee, die Wende sei im Vietnamkrieg gekommen. Die evangelikalen Kirchen hätten damals das Militär als Missionsfeld erkannt: „Sie wollten ihre Missionare in die Armee schicken und dass die Militärs selbst zu Missionaren dieser Welt würden.“ (Zitat aus Harper’s)

Zu den fundamentalistischsten der fundamentalistischen Militärpfarrer zählt gemäss Harper’s Oberstleutnant Gary Hensley, bis vor kurzem oberster Militärpfarrer der US-Armee für Afghanistan. Der amerikanische Dokumentarfilmer Brian Hughes hat ihn 2007 bei seinen Missions-Predigten in der grössten Basis der US-Armee in Afghanistan, in Bagram, gefilmt. Er spricht von „Menschen jagen für Jesus„. Al-Jazeera hat Teile dises Filmmaterials gesendet. (siehe Contextlinkbeitrag „Unrealistische US-Strategie“.)

Intereesanterweise sind unter diesen Fundamentalisten besonders viele Offiziere aus dem stockkonservativen Süden der USA, wo auch Ex-Präsident Bush herkommt. In dieser Herkunft sieht ein amerikanischer Parlamentsabgeordneter (Senator) den Hintergrund für die fundamentalistische Haltung der Männer: Der Rassismus. Früher hätten sich diese Leute nur über ihre Hautfarbe, ihre „Rasse“ identifiziert. Und jetzt „haben sie die Rasse mit der Religion ausgetauscht“, sagt der Senator gegenüber Harper’s. „Das Prinzip ist das gleiche geblieben: eine Identität die auf dem Bewusstsein aufbaut, ausserhalb der Gesellschaft zu stehen, die als schwach und korrupt angesehen wird.“

Und hier noch der 2. Teil des Al-Jazeera-Films:

Mein Fazit: Gott bewahre!
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