Unter Taliban-Feuer (Menschen im "Af-Pak-Theater"

Bild: Screenshot des BBC-Reporters Ben Anderson in der VBS.tv-Dokumenation „Inside Afghanistan“)

Truppenverstärkung („Surge“) heisst das Schlüsselelement der neuen „AF-Pak-Strategie“ der US, und der NATO: Die USA werden in den nächsten Tagen und Wochen über 20’000 zusätzliche Soldaten in das „Af-Pak-Theater“ schicken; und auch die Europäer haben nach langem Zögern am NATO-Gipfel in Strassburg zugestimmt, zusätzliche 5000 Soldaten mit in die Hölle zu schicken. Damit folgen die „westlichen Verbündeten nach langem, berechtigtem Zögern, den Forderungen der neuen „Af-Pak-Strategie“ der USA: Mehr Soldaten, mehr Feuerkraft.“ Noch immer ist es eine „Exit-Strategie„. Hauptziel, ist der baldmögliche Rückzug aus Afghanistan, wobei alle wissen, dass bald in „Af-Pak“ wohl mehrere Jahre bedeutet. Der Oberkommandierende der NATO-Streitkräfte in Af-Pak, US-General Petraeus, will sich auf keine präzise Prognose einlassen. Zur Strategie gehört aber auch eine neue Kriegstaktik: „Mehr Sicherheit für die lokale Bevölkerung.“ (Eine der gescheiteren Kritiken an der „neuen“ Strategie hat Ulrich Iadurner in der „Zeit“ geschrieben: „Der Bush in Obama“.)

Wie das Leben der westlichen Soldaten in Af-Pak aussieht, zeigt eine Dokumentation von VBS.TV/Video. Zu sehen sind keine offensichtlichen Horrorszenen, Blut, Tote, Brutalitäten, sondern einfach Menschen im Krieg:
Durst, Müdigkeit, Galgenhumor und vor allem ANGST.
Der Film zeigt die Realität hinter dem hochtrabenden Gerede der Politiker von Freiheit, Demokratie und Sicherheit.

Die Dokumentation – mit den erläuternden Kommentaren des Autors Ben Anderson von der BBC (ein Artikel zum TV-Bericht hier) – erzählt gleichzeitig Einiges über die Journalisten, die über den Krieg berichten, die über kürzere oder längere Zeit mit den Soldaten leben. Sie haben sich alle um den Job in Af-Pak, sogar den Auftrag dort draussen an der Front, aktiv bemüht in ihrer Heimredaktion. Lassen Sie sich aber von der oberflächlich demonstrierten Coolness und dem Zynismus nicht täuschen: Auch die Journalisten sind im Stress, haben Angst, usw. Immerhin müssen sie niemanden töten und sie können bald wieder in sicheres Gebiet zurückkehren. Vor allem aber: Genau wie die Soldaten sind die Journalisten, die längere Zeit in Afghanistan im Kampfgebiet verbrachten, völlig desillusioniert: Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen.

Die Bilder der Dokumentation wurde schon 2007 in Afghanistan gedreht, aber sie ist top-aktuell. Sie zeigt eine der ersten Operationen einer britischen Einheit gemäss der neuen Strategie „Counterinsurgency“, die heute die offizielle Strategie der US-Armee und der NATO-Allierten für Afghanistan ist: Die britischen Soldaten kämpfen in kleinen Gruppen gemeinsam mit Soldaten der afghanischen Armee. Ihr Auftrag heisst nicht mehr früher nur „Clearing“ (Räumung) eines bestimmten Gebiets und dann zurück in die gesicherte Grossbasis, sondern „Halten“, dort bleiben in kleinen Aussenposten, so dass das Gebiet nicht nach dem Abzug der NATO-Soldaten von den Taliban/AlQaida (siehe Contextlink „Schattenarmee“) wieder besetzt werden kann.

(die unvermeidliche Werbung zu Beginn jedes Teils kann oben links weggeklickt werden)
Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4


Teil 5

Teil 6

Teil 7

Teil 8

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