Die Elefanten des Bergbaus sind die Banken von morgen (Update)

Minen-Fotos: KatangaMining

GoldInvest.de, das „Portal für Kapitalanlagen und Rohstoffaktien“ empfiehlt, unter dem Titel „Die Elephanten des Bergbaus sind die Banken von morgen“ mitten in der schlimmsten Krise des Rohstoffmarktes und -handels, Aktien von Bergbaugrosskonzernen wie Anglo American, BHP oder Rio Tinto zu kaufen.
Am Rande der größten Bergbaukonferenz Afrikas, der INDABA in Kapstadt, sagte Mark Tyler, Direktor für Bergbau und Ressourcen der Nedbank, gegenüber GoldInvest, dass vor dem Platzen der Finanzblase ca. 50% der Minenprojekte durch Fremdkapital, also die Aufnahme von Schulden, finanziert wurde. Diese Quellen der Banken sind nun komplett versiegt. Finanzkäftige Rohstoffkonzerne übernehmen diese Rolle jetzt – gezwungenermassen – selbst

Nicht namentlich erwähnt GoldInvest den grössten Rohstoffhändler der Welt, die Glencore mit Sitz in Zug. Vermutlich, weil sich das Stuttgarter Rohstoffportal schwergewichtige auf das Goldgeschäft konzentriert. Aber Glencore erfüllt perfekt die Bedingungen, die die Spezialisten als erfolgversprechend beschreiben

Grosskonzerne auf Schnäppchenjagd
Finanzkräfte Unternehmen wie Glencore leiden zwar auch unter der Krise, sind aber so finanzstark, dass sie in dieser Krise erfolgreich auf Einkaufstour gehen können. GoldInvest formuliert es so: „Auf den heute drastisch eingebrochenen Kursen kann man auf Einkaufstour gehen wie zu besten kombinierten Sommer- und Winterschlussverkaufszeiten zusammen. Viele Unternehmen haben bis zu 90% ihres Kurswertes eingebüßt und sind entsprechend günstig zu haben.“

Wie das in der Praxis geht, habe ich am Beispiel der Ãœbernahme des potenziell grössten Kupferproduzenten Afrikas und des grössten Kobaltproduzenten der Welt, der KatangaMining im Kongo, in meinen entsprechenden Publikationen im Newsnetz und in der Printausgabe der Basler Zeitung beschrieben: „Schweizer Rohstoffgigant Glencore auf Schnäppchenjadg“ und „Heikler Deal zwischen Schweizer Rohstoffgiganten“.

Das Zuger Nachfolgeunternehmen von Marc Rich, Glencore, hat am 9. Februar 2009 für rund 265 Millionen US Dollar mit KatangaMining die „Kronjuwelen des Kongo“ übernommen. Der Wert der Firma wurde letztes Jahr noch auf 3,3 Milliarden Dollar geschätzt.

Kaufempfehlung für billige Rohstoffaktien
Natürlich ist Glencore nicht der einzige Rohstoffkonzern, der die Krise nutzt, um sein Imperium zu vergrössern.Deshalb ermuntert das Aktienportal Goldinvest potentielle Aktienkäufer, jetzt in solche Projekte und Unternehmen zu investieren:
„Gleichzeitig können solche Beteiligungen ein Katalysator für den Aktienkurs des Unternehmens werden, das finanziert wird, denn wenn sich ein „Elefant” an einer „Maus” beteiligt, dann hat das immer einen triftigen Hintergrund! Profitieren kann man hier auf beiden Wegen. Zum einen mit Elefanten-Aktien der Branchengrößen wie Agnico-Eagle, BHP, Goldcorp, Newcrest Mining, Silver Wheaton und viele andere mehr. Auf der anderen Seite kommen aber genau die gefallenen Engel (Mäuseaktien) in Betracht die der Markt einfach nur verdroschen hat, ohne genau hinzusehen.“

Exportsteuern praktisch auf Null gesenkt
Inzwischen könnte sich der Deal der Glencore – und alle, die es riskieren in KatangaMining zu investieren – bereits weiter positiv entwickelt haben. Um den aktuell arg Not leidenden, vornehmlich ausländischen Bergbauunternehmen das Ãœberleben während der Krise zu erleichtern, hat die kongolesiche Regierung eben entschieden, die Exportsteuer von bisher schon – wie die 3.Weltorganisationen sagen „skandalösen“ – 5% auf 1% zu reduzieren. De Facto können damit die Rohstoffe bis auf Weiteres gratis aus dem potentiell reichsten Land Afrikas exportiert werden.

Pax Americana
Gleichzeitig scheint die neue Regierung der USA jetzt mit Macht dafür sorgen zu wollen, dass im Kongo endlich Friede einkehrt, was nicht zuletzt den Bergbaukonzernen zugute käme und neue Invetsitionen im rohstoffreichsten Land Afrikas erlauben würde. Alles deutet darauf hin, dass es die neue Obama-Administration war, die das „Wunder“ bewirkt hat, dass zur Zeit die gut ausgebildete und disziplinierte ruandische Armee gemeinsam mit den maroden kongolesischen Regierungstruppen den rohstoffreichen Osten (Kivu) des Landes befriedigen – was immer das für die leidgeprüfte Zivilbevölkerung heisst (Bild: AFP). Die unabhängige kongolesische Tageszeitung „Le Potentiel“ spricht von einer „Pax Americana“ und macht den logischen Link zu den Rohstoffen. Bei der amerikanischen Initiative gehe es nicht nur um den Frieden, sondern auch um die Sicherung des US-Einflusses für westliche Rohstoff-Unternehmen als Reaktion auf die immer stärkere Rolle, welche China auch im Kongo spielt.

Profitieren von den Chinesen
Doch auch das chinesische Engagement wird den westlichen Rohstoffkonzernen wie Glencore von Vorteil gereichen: China hat sich nämlich als Gegenleistung für umfangreiche Schürfrechte im Kupfergürtel der Südprovinz Katanga verpflichtet, eine 3500 Kilometer lange Verbindungsstrasse und parallel dazu eine Eisenbahnlinie zwischen den Berbaugebieten des Südens mit den Minen (Gold, Diamanten, Coltan, u.a.) im Kivu zu bauen. Für 9 Millarden US Dollar. (Dazu ein BBC-Hintergrund inkl. Video hier; aus dem Video stammt auch das Foto des chinesischen Vermessers mit afrikansichem Gehilfen).

Hohes Risiko
Doch das Geschäften in Afrika, speziell im Kongo bleibt sehr riskant. Heute ist noch unsicher, ob die aktuellen Militäraktionen der vereinten ruandisch-kongolesischen Streitkräfte wirklich erfolgreich sein werden. Wenn nicht, dürfte Kongos Staatspräsident Joseph Kabila nicht mehr lange im Amt sein. Und die Erfahrung lehrt, dass sich neue Staatschefs im Kongo wenig um die Verträge und Abmachungen ihrer Vorgänger kümmern.
Doch für Anleger gilt das gleiche wie es der Präsident von Glencore für die Grosskonzerne formuliert hat: „Je unbeständiger die Situation, desto grösser das Risiko, und je höher das Risiko, desto höher darf die Rendite sein.“ (Zitiert aus einem spannenden Hintergrund der Wirtschaftssendung „Eco“ des Schweizer Fernsehens SF).

Update:
Es deutet einiges daraufhin, dass die Spekulation für Glencore (und andere) schneller aufgeht, als erwartet. Das grossen Minenportal „Mine Web“ erwartet, dass sich die Kupferpreise schneller erholen werden als erwartet.
„A review of what is happening in copper supply suggests that losses in output through closures and project abandonments may be sufficient to turn the market round quicker than many analysts would seem to contemplate.“
Entwicklung und Stand des Kupferpreises am 19. Februar 2009:

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