Medikamente verschmutzen den Rhein

Einen wichtige Artikel in der BaZ von heute möchte ich anleuchten, weil er im Weihnachtstrubel unterzugehen droht. „Nicht abbaubare Stoffe belasten den Rhein.“ (Die Badische Zeitung hat schon am 1. Dezember darüber berichtet).
Die Problematik macht deutlich wie wichtig ein Umdenken in der Umweltfrage weg vom „Weniger-Schädlich“ hin zum „Nützlich“ ist, wie es das Prinzip Cradle to Cradle aufzeigt.

Der Rhein ist heute so sauber wie wohl seit dem frühen Mittelalter nicht mehr. Aber Grund- und Trinkwasser, für die der Rhein das „Eingangstor“ ist, sind weiterhin belastet. Es sind nicht mehr die Produzenten giftiger Stoffe, die schädlichen Stoffe in den Rhein bringen, sondern die Konsumenten der Produkte dieser Produzenten: Menschen und Tiere. „Arzeinmittelnutzer sind die grössten Verschmutzer“ titelt die Badische Zeitung. Das ist etwas zugespitzt. Tatsächlich sind Medikamente konsumiert von Menschen und Tieren die wichtigsten Verschmutzer des Trinkwassers, aber gemeinsam mit Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft.
Es sind Stoffe, die „die Kläranlagen nicht schaffen“, sie sind nicht abbaubar und werden von diesen Kläranlagen unerkannt in den Rhein gespült.
Gemäss den Befunden der Wissenschaftler der Arbeistgemeinscchaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) sind es:
Arzneimittelrückstände wie Antibiotika, Röntgenkontrastmittel, Pflanzenschutzmittel, Fluorverbindungen, Benzinzusatzstoffe und synthetische Komplexbildner.

Das Beispiel eines Pflanzenschutzmittels aus dem Obst- und Weinbau zeigt die Problematik und insbesondere die Komplexitität:

Im Sommer 2007 mussten unterhalb Basel mehrer Wasserfassungen am Rhein geschlossen werden, weil sie zu hohe Konzentrationen an Dimethylsulfamid (DMS) aufwiesen. DMS entsteht beim Abbau von Tolylfluanid, welches seit rund 30 Jahren als Fungizid in den Rebbergen und Obsthainen am Rhein verwendet wird. Bis vor kurzem galt es harmlos, respektive „untoxisch“. Jetzt aber haben die Wissneshcaftler herausgefunden, dass das Abbauprodukt des Fungizids DMS bei der Trinwasseraufbereitung, genau bei der Ozonisierung in verschiedene
Substanzen zerfällt, darunter das krebserregende Nitrosodimethylamin (NDMA).

Lange mussten die Wissenschaftler suchen, bis sie die Spur gefunden hatten, woher das Nitrosamin kam. Inzwischen an man die enstprechenden Fungizide verboten. Doch die Chemikalien sind im Boden extrem langlebig und werden wohl noch länger im Trinkwasser zu finden sein.

All diese Informationen stammen von einer Pressefahrt, welche die AWBR Ende November veranstaltet hat. Dabei hat der Präsident der AWBR Johann-Martin Rogg auch die einzige, wirkliche Lösung für das Problem genannt (wobei offensichtlich niemand – vielleicht nicht einmal ers elbst – die Bedeutung dieser Aussage erkannt hat):
Es gelte „im Dialog mit den Produzenten Produkte zu entwickeln, die für die Gewässer nicht belastend“ sind.

Das ist das Prinzip Cradle to Cradle: Alle Stoffe in einem ewigen Kreislauf zu halten und dabei Stoffe verwenden, die nicht anderes Leben schädigen. Das von der Umweltagentur EPEA in Hamburg verbreitete Prinzip geht vom „Design“ eines Produkts aus, wie es der AWBR-Präsident gefordert hat: Bereits bei der Entwicklung des Produkts dürfen nur Stoffe verwendet werden, welche entweder rest- und schadlos abbaubar sind, oder zurück in den Kreislauf der Nutzung geführt werden können.

Beim Beispiel der Fungizide muss zum Beispiel die Agro-Chemie in die Verantwortung genommen werden, ein Produkt erst auf den Markt zu bringen, wenn auch seine Langzeitwirkung bekannt ist: was geschieht beim Abbau, wie reagiert es bei der eventuellen Weiterbehandlung in anderen Kreisläufen. Wie Komplex diese Problamtik ist, zeigt das Beispiel der Fungizids: Es genügt also nicht, nur zu garantieren, das ein das Fungizid weder für die bespritzen Pflanzen und das Wesen (Mensch oder Tier), das diese Pflanze konsumiert, unschädlich ist, es mus auch sichergestellt sein, dass das Produkt keine „Nebenrisiken“ beim Weiterleben in anderen Kreisläufen mit sich bringt.

This entry was posted in Cradle to Cradle, Rhein, Umwelt. Bookmark the permalink.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.