"Das Zeitalter des Weniger"" vs. "Lustvolle Verschwendung"

„Eat less. Consume less. Waste less.“ So lautet, gemäss David Bosshart, CEO des GDI (Gottlieb Duttweiler Institute) in Rüschlikon/Zürich, das Motto für die Zukunft. Und: „Willkommen im „Zeitalter des Weniger“ schreibt das Trendforschungs-Institut GDI (The Brain Pool) in seinem neusten Newsletter (Den gibt’s nur via gratis-Mitgliedschaft). Das GDI hat im September eine ganze „Trendtagung“ durchgeführt, um über den „Paradigmawechsel“ zum „Weniger ist mehr“ nachzudenken. Dabei wurden „erfolgversprechende Strategien für die Zukunft des Weniger“ entwickelt. Von „Mässigung“, „Beschränkung“,“Vernunft“ war einmal mehr die Rede.

Das ist Depression pur. Und darauf sollen wir unsere Zukunft bauen? Sicher nicht.
Längst gibt es optimistische, realistische und vorallem lebensbejahende Perspektiven. Schade, dass auch das „renommierte“ GDI weiter das depressive Lied des „Weniger“ als Megatrend predigt.

Depressives Selbstbild: Der Mensch ein Schädling
Hinter diesem „Trend“ des „Weniger“ steht ein hochgradig depressives Selbstbild der Menschen/der Menschheit: Wir sind schlecht! Der deutsche Umweltforscher Michael Braungart spricht von einem „Schuldkomplex„. Wir wissen: Wir Menschen zerstören die Natur. Der Mensch ist ein Schädling. Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen.
Pessimistische Umweltphilosophen wie Derrick Jensen sehen uns deshalb schon im „Endgame“, weil „Zivilisation grundsätzlich unvereinbar (ist) mit ökologischer Nachhaltigkeit“. Die besten Wissenschaftler und die UNO stellen Szenarien auf: „Wieviel Mensch erträgt die Welt?„.

Religiös verbrämte Selbstüberschätzung: Die Krone der Schöpfung
Dieses depressive Selbstbild ist die Kehrseite unserer (westlichen) Selbstüberschätzung, welche wir religös untermauert haben: Wir sind „die Krone der Schöpfung“, was uns ein einmaliges Recht gibt: „Macht Euch die Erde untertan“. Die Erde, die Natur steht uns zur Verfügung, wir nutzen sie, wir beuten sie aus. Der Mensch steht ausserhalb der Natur, der „Schöpfung“ wie Theologen oder gläubige Christen sagen würden.

Diese schizophrene Haltung zwischen Selbstüberschätzung und Selbstkritik sorgt zur Zeit für eine „Kultur des schlechten Gewissens“. Was uns allerdings nicht davon abhält, unser Verhalten weiter nicht wirklich zu ändern: Wir wissen, dass wir die Umwelt verschmutzen, wenn wir Autofahren. Wir fahren trotzdem. Wir sind sogar bereit, für unsere Sünden zu bezahlen, z.B. über dem Emissionshandel, welcher uns ein perverses „Recht auf Verschmutzung“ gibt.

Ziel: Weniger schlecht sein?
Was das GDI als „Motto für die Zukunft“ ausgibt, als „Paradigmawechsel“, ist nichts anderes als das, was auch die offizielle Politik der Mächtigen dieser Welt als höchstes Ziel anstrebt: Weniger. Von Umkehr, gar von Umdenken, ist da keine Spur. Verzweifelt versucht man, etwas weniger Schaden anzurichten, die Umwelt etwas weniger zu verschmutzen, das Artensterben zu verlangsamen, etc.. In der Summe versuchen wir, etwas weniger schlecht zu sein. Doch unter dem Strich bleibt der Mensch ein Schädling, der auf sein selber verursachtes Ende zutreibt, vielleicht etwas weiniger schnell, aber genauso unausweichlich.

Der wirkliche Paradigmawechsel: Der Mensch als Nützling
Was die Menschheit braucht ist ein wirkliches Umdenken, einen echten Paradigmawechsel:
Der Mensch ein Nützling, kein Schädling mehr.
Doch das ist fast unmenschlich schwierig, denn der Mensch muss sich von seinem religiös verbrämten arroganten Selbstbildnis lösen, etwas Spezielles, Höheres, Auserwähltes zu sein.
Wir Menschen müssen lernen, uns als Teil dieser Natur zu sehen. Nicht mehr oder weniger als eine Ameise, eine Amöbe oder ein Virus.

Das ist die Philosophie, das Prinzip „Cradle to Cradle“. „Fort von einer ‚Reduzierung der Nachteile‘ und hin zu einer „Maximierung des Nutzens„.
Das ist der Paradigmawechsel, eine radikale Abkehr von der Depro-Strategie des Weniger, eine positive Herausforderung: Es genügt nicht einfach nur WENIGER zu schaden, wir müssen NUETZEN“.

Was für eine Befreiung! Wir dürfen wieder wachsen ohne schlechtes Gewissen, wenn dieses Wachstum nicht schadet, sondern nützt, allen, der Natur. Mehr noch: Wir dürfen sogar verschwenden, „intelligent verschwenden“ wie es die Vordenker des „Cradle to Cradle“ William McDonough und Michael Braungart formulieren, sogar „lustvoll verschwenden“.

Dass dies keine esoterische Fantasterei ist, illustriert Michael Braungart anhand zahlreicher Fälle aus der Praxis in seinem neusten Buch „Die nächste Industrielle Revolution“. Für Firmen wie Ford, Nike, Airbus, Unilever oder Shaw ist das Prinzip Cradle to Cradle schlicht „Business“. Den Film dazu habe ich in den früheren Contextlink-Beitrag „Abfall = Nahrung“ gestellt.

Dass davon das GDI, der „ThinkTank“ und „Brain Pool“ offenbar bisher noch nichts gehört hat, ist mehr als erstaunlich.

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