Die Alternative zur Atomenergie aus der Sahara


Während die Schweizer Politik zur Zeit weiter in St. Florianspolitik macht und wohl auch weiter über keinen Standort für die Deponierung des Abfalls aus den Schweizer Atomkraftwerken im eigenen Land verfügen wird, plant die Energiewirtschaft schon längst neue AKWs – und rührt dazu kräftig die PR-Trommel.
Noch wehrt sich die Schweiz – und vorallem die Kantone – gegen die Forderung der Energiewirtschaft, wieder auf die Atomenergie zu setzen.
Die Option Atomenergie sei unausweichlich, sagen die wichtigsten Schweizer Stromproduzenten und der Widerstand in der Schweiz erodiert zusehends. Doch tatsächlich scheint es eine wirkliche Alternative zur politisch heiklen Nukleartechnologie zu geben: Billig und sicher:

Solarstrom aus der Sahara
Millionen von Spiegeln zur Bündelung des Sonnenlichts auf einer Fläche von 0,3 Prozent der Sahara und die Umwandlung der konzentrierten Hitze in solarthermischen Kraftwerken würden ausreichen, um den Strombedarf im Nahen Osten, in Nordafrika und in ganz Europa zu decken (eihe Karte weiter unten). Zu einem unschlagbaren Preis von 5 bis 6 EuroCents pro Kilowattstunde. Damit aber noch nicht genug: Die Solarenergie aus der Sahara könnte auch eine Meerwasserentsalzung im grossen Stil ermöglichen und das akute Wasserproblem der östlichen und südlichen Mittelmeeranrainer von Marokko bis Syrien lösen.

Das ist die Vision des Projekts DESERTEC. Das Desertec-Konzept wurde vom TREC-Netzwerk entwickelt, welches 2003 vom Club of Rome, dem Hamburger Klimaschutzfonds und dem Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrum (NERC) gegründet wurde. Wissenschaftlich untersucht und weiterentwickelt wird Desertec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Wissenschaftler, Politiker und Experten auf den Gebieten der erneuerbaren Energien und deren Erschließung bilden den Kern von TREC.

Grosses Interesse an Desertec zeigt die Union für das Mittelmeer, welche die EU im vergangenen Sommer neu lanciert hat und will einen solaren Mittelmeerplan realisieren.

Mittelmeerunion
Schon länger träumt die Mittelmeerunion und ihre wichtigsten Förderer Frankreich und Spanien davon, dank einem Energieverbund mit den südlichen und östlichen Mittelmeerstaaten auch eine politischen Union zu entwickeln, welche nicht nur neue Märkte erschliesst, sondern auch sicherheits- und migrationspolitische Gewinne und nicht zuletzt mehr Unabhängigkeit von den USA bringen würde. (siehe den Contextlink-Artikel „MareNostrum“).

Prinz Hassan von Jordanien, einer der Lobbyisten für das Desertec-Konzept spielt im Interview mit der „Zeit“ (Ausgabe 46/08) genau diese politische Karte: „Ich hoffe, dass mehr Energie- und Wassersicherheit dazu beitragen, die Migration nach Europa zu begrenzen ….. Zeit: „… und dass der der Stromexport Europa und seine südlichen Nachbarn friedlich miteinander verbindet?“ Hassan: „Auch das. Die Europäische Union ist einst auch aus einer Gemeinschaft für Kohle und Stahl hervorgegangen.“

Technolgien vorhanden
Technisch ist die Realisierung von Desertec problemlos möglich. Schon seit 1985 werden solarthermische Kraftwerke, wie sie Desertec vorsieht, u.a. in der kalifornischen Wüste betrieben (siehe Bild Kramer Junction/Cal).
In der Sahara würde Millionen von Spiegeln aufgebaut, welche das Sonnenlicht bündeln. Mit der damit entwickelten Hitze werden Dampfturbinen betrieben, welche dann den Strom erzeugen – 24 Stunden am Tag. Ein solches Solarkraftwerk ist auch in Europa, im spanischen Andalusien schon in Betrieb. Eine ganze Reihe von thermischen Kraftwerken ist in Nordafrika und im arabischen Raum geplant.
Zusätzlich zu den Kraftwerken und den Spiegelfeldern muss ein gewaltiges Netz für den Transport des Stroms aus der Wüste nach Europa gebaut werden. Zur Anwendung kommt die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ), dank der der Stromtransport auch über tausende von Kilometern kein Problem bereitet.
In diesem Geschäft mischt übrigens auch die Schweizer Firma ABB an vorderster Front mit. Ein Milliardenbusiness.

Hindernisse
Noch ist der Strom aus Solarthermischen Kraftwerken zu teuer. Gemäss den Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird der Solarstrom aus der Wüste aber schon 2020 günstiger sein als Strom aus Oel, Gas oder aus Atomtechnologie. Werden Solarthermische Kraftwerke in grossem Stil gebaut, wird der Produktionspreis pro Kilowattstunde gemäss der DLR auf 5 bis 6 EuroCent sinken. Spätesten bei einer zu erwartenden weiterenVerteuerung der fossilen Energie ist der Strom aus der Wüste mehr als wettbewerbsfähig.
Dem Strom aus Atomkraftwerken ist die Solarenergie nicht nur preislich, sondern insbesondere auch punkto Sicherheitsrisiken weit überlegen.
Das Argument der Bedrohung der Solarkraftwerke durch de Terrorismus in der Region scheint kaum haltbar. Oel ist darauf viel anfälliger. Der Ausfall eines Solarkraftwerks oder einer Transportleitung ist leicht durch andere kompensierbar und richtet vorallem auch keine Umweltschäden an.

Fazit
Der Solarstrom aus der Wüste ist definitiv eine Option, die sehr sorgfältig geprüft werden muss, bevor die Schweiz wieder in teure und politisch immer noch hochumstrittene Atomtechnologie investiert.

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