Ein Sündenkonto für jedermann

Einen sehr interessanten Vorschlag macht Olaf L. Müller, Dozent Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie an der Humboldt Universität Berlin, in der letzten „Zeit“ (42/08, S. 53) im Artikel mi dem Titel: „Ein Sündenkonto für jedermann“. Dort habe ich schon die zu diesem Artikel gehördende „Krümelbombe“ abgeschrieben.

Müller (Olaf!) will nichts weniger als „Gerechtigkeit“ im Bereich der Luftverschmutzung. Die bisherige Debate um Grenzwerte hält er für „unbefriedigend“:
„Grenzwerte für Autos sind dem Klima gleichgültig. Wer mit dem sparsamsten Auto herumfährt wie ein Irrer, schadet dem Klima mehr als der Besitzer einer Luxuslimousine, die in der Garage bleibt.“
„Nicht die Autos sind das Problem, sondern die Autofahrer. Aber nicht nur die – ….“

Müller möchte von einem simplen Prinzip ausgehen:
„Jeder Mensch hat das Recht, genausoviel Co2-Emisionen zu verursachen wie der andere. Das gilt für Chinesen und Inder genauso wie für uns. Und zwar sofort!“

Experten gehen davon aus, dieses von der Erde verkraftbare Mass liege bei 2000 bis 3000 Kilogramm CO2 pro Kopf und Jahr. Das ist nur etwa halb soviel wie die Erdenbürger heute im Durchschnitt in die Atmosphäre pusten. Doch dieser Durchschnitt kommt sehr einseitig zustande. Wir Europäer verdrecken die Umwellt mit etwa doppelt soviel CO2 wie der Weltdurchschnitt – oder viermal soviel, wie eigentlich verträglich. Unser Verbrauch ist aber nur die Hälfte davon, was Amerika pro Kopf in die Atmosphäre entlässt (20’100 Kilo).

Müller weiss („Ich gehöre nicht zu den ökologischen Antikapitalisten, denen ein Bankrott der kapitalistischen Volkswirtschaft am liebsten wäre“), dass es nicht machbar ist den CO2-Austausch auf einen Schlag auf ein ökologisch verträgliches Mass zu senken.
„Nein, wenn es schon gerecht zugehen soll, dann unter möglichst geringen Wohlstandsverzichten und ohne Harakiri. Erstes Ziel müsse es deshalb sein, den weiteren Anstieg des Co2-Anteils in der Atmosphäre nicht weiter ansteigen zu lassen, aber ohne dabei die Chinesen und Inder, weclhe im Vergleich zum Westen einen Nachholfbedarf in Sachen Industrialsierung haben, zu übervorteilen. Müllers Vorschlag:
„Jeder Mensch hat bis auf Weiteres das Recht, genau die augenblickliche Durchschnittsemission pro Erdenbürger zu verursachen. „
Weil es aber wenig sinnvoll wäre, die Inder oder die Afrikaner aufzufordern künftig viel mehr CO2 zu emittieren, um gleichviel CO2 zu emittieren wie wir, sollen diese Rechte als Zertifikate gehandelt werden. Das heisst, ein Inder mit aktuell niedrigem Bedarf, soll seine nicht beanspruchten Kilos Co2 an uns weiterverkaufen.

Wir Europäer müssten bei diesem System für gut die Hälfte unserer Emissionen bezahlen, respektive die Verbrauchsrechte bei jemandem einkaufen, der sie nicht braucht. Geregelt und gehandelt würden diese Rechte an einer Welt-Co2-Börse. Müllers Vorschlag weist einen radikalen Unterschiede zur aktuellen CO2-Börse auf: „Das ganze Geld, das durch die Versteigerung der Zertifikate zusammenkommt, wird in regelmässgen Abständen und ohne Abzüge an jeden einzelnen Menschen ausgezahlt – an Menschen, nicht an Staaten.“

Möglichen Kritikern, dies sei bürokratisch nicht zu bewältigen, hält der Naturphilosoph eine andere Idee entgegen:“ Kein Antragswesen, kein Papierkrieg, keine Entscheidungen von irgendwem – nur die Auszahlung per Fingerabdruck am Computer des Geldlastwagens. Dafür ist weltweit weniger Personal nötig als bei eine hmanitären Intervention in irgendeinem Balkanland.“

Zu den Kosten: Zur Zeit kosten Klimaprojekte circa zwei Cent (Euro) pro eingespartes Kilo CO2. Das wäre für Müller der Refernzpreis. Für uns Mitteleuropäer würde dies bedeuten, dass wir pro Jahr etwa 12o Euro pro Kopf für unseren Zuvielverbrauch bezahlen müssten.
Jeder hätte die Möglichkeit, seine Kosten zu senken, indem er weniger CO2 verbraucht. Jeder entscheidet selbst, ob er mehr oder weniger Auto fährt, wie warm er seine Wohnung heizt, etc..
Ein durchschnittlicher Inder bekäme pro Jahr 80 Euro auf die Hand. Viel Geld für einen indischen Landbewohner.

Mein Vorschlag: Bevor alle, sich den Kopf zerbrechen, warum Müller’s Idee nicht funktioniern kann in der Praxis, sollten die „Experten“ sich den Kopf zerbrehcen, wie die Umsetzung dieser Idee in die Praxis möglich gemacht werden kann.

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