Gottes Revolutionär

Pastor Sunday Adelaja, God’s Embassy, Kiew

„Ich nutze meinen Glauben, um eine ganze Nation zu unterwerfen und zu ändern.“ „Die Revolution soll beginnen.“ Zitate aus dem Buch „Church Shift“ des Mannes, wegen dem wir heute nach Kiev geflogen sind: Sunday Adelaja, Gründer und Vorsteher der Kirche „God’s Embassy“, der grössten evangelikalen Kirche in Europa mit rund 30’000 Mitgliedern allein in Kiev und angeblich 1 Million Anhängern weltweit.

Pastor Sunday ist für unser Filmprojekt „Kreuzzug“ eine sehr vielsprechende Figur:

Er ist der erste Prediger aus Schwarzafrika, der den Sprung über die „Rassengrenze“ wirklich geschafft hat – 99% seiner Anhänger sind Weisse.
Vorallem aber scheut sich der 45-jährige Kirchengründer aus Nigeria nicht – anders als zum Beispiel Dag Heward-Mills, den wir letzten Herbst auf seiner Healing Jesus Kreuzzug in Niger und Burkina Faso gefilmt haben – ungeschminkt zu seinen politischen Absichten zu stehen.

Gott habe ihn aufgefordert, „Verantwortung für die Ukraine zu übernehmen“. Es genüge nicht, “ bloss einzelne Menschen zu bekehren und Kirchen zu gründen“. Die Kirche sei bloss „Gottes primäres Vehikel, um die Menschen so zu trainieren, dass sie ihre Nation regieren können. Die Kirche ist das Hauptquartier, aber Schlachten werden nicht in Hauptquartieren geführt. Gekämpft wird im Feld.“ Adelaja spricht „vom Krieg gegen die Regierung“ und ruft seine rasch wachsende Anhängerschaft zu einer „Revolution“ auf, einer persönlichen und gesellschaftliche Revolution: „Dies wird zu einer Revolution in Deinem Leben und Deinem Land führen, die grösser ist als alle andern Revolution, die die Welt bisher gesehen hat.“

Entsprechend diesem Kampfruf schickt Pastor Sunday seine rasch wachsende Anhängerschaft hinaus, um „mit Macht in alle Sphären der Gesellschaft einzudringen“. Seine Kirche betreibt in Kiev Suppenküchen, unterhält umfangreiche Programme für Drogensüchtige, Aidskranke oder Prostituierte. Ãœber 3000 NGOs (Nichtregierungsorganisationen) seien in der Ukraine von seinen Anhängern gegründet worden, sagt Pastor Sunday.

Längst ist der streitbare Pastor zu einem gefürchteten politischen Faktor geworden. 2004 war er einer der führende Köpfe der Orange-Revolution. Im Stadtparlament von Kiev „kontrolliert Sunday nach eigenenen Angaben inzwischen 20 Prozent der Sitze. Ein Teil des Politestablishment hofiert ihn oder ist gar Mitglied seiner Kirche wie der amtierende Bürgermeister von Kiev, Leonid Chernovetsky. Andere versuchen seine wachsende Macht zu bekämpfen: Die Exkommunisten, die zur Zeit wieder das Sagen haben in der Ukraine oder die traditionelle Orthodoxe Kirche.

Doch Pastor Sunday versteht die Ukraine bloss als einen Anfang: „Hier in der Ukraine möchte ich eine starke, grosse Kirche hochziehen mit der Absicht, den Glauben in die ganze Welt zu tragen. Wie die Sowietunion den Kommunismus in der gesamten Welt eingepflanzt hat, werde ich die Nationen der ehemaligen Sowietunion dazu benutzen, die gute Nachrichtig überallhin zu verbreiten.“

Ich bin etwas angespannt. Wie begegne ich diesem Menschen, der sich selbst als Instrument Gottes sieht, dazu berufen, von der Ukraine aus, die Welt zu erobern? Da ist viel Skepsis, aber auch Respekt vor einer Person, die den Mut hat, mit offenem Visier zu kämpfen. Respekt gegenüber einer Person, die wirklich konsequent einen Weg geht, Wirkung erzielt und Gutes tut. Skepsis ob des Sendungsbewustseins und des für mich nicht fassbaren Glaubens verbunden mit der anmassenden Überzeugung, im Auftrag eines allzumenschlichen, absoluten Gottes zu handeln.

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