Kommunikation Healing Jesus Crusade

Kameramann Michael von der Healing Jesus Crusade in Burkina Faso 11/2011

Dag Heward-Mills und seine Organisation (Kirche) Lighthouse Chapel International mit Hauptsitz in Ghana verstehen etwas von Kommunikation und PR. Trotz vielen Fragen, haben wir bisher auf unserem Dreh für das Dokfilmprojekt „Kreuzzug“ in Niger und Burkina Faso aber nicht festmachen können, wie strategisch, wie geplant diese Kommunikation ist. „Wir sitzen im engeren Kreis immer wieder zusammen und entscheiden dann, was wir machen und wie wir vorgehen,“ erklärt uns Dag im persönlichen Gespräch. Doch da muss mehr sein.

Was wir wahrnehmen, sind im wesentlichen sieben Elemente:

Pastorenkonferenz Burkina Faso 11/2011

Fokus auf die Persönlichkeit des Evangelisten.
Dag Heward-Mills ist ein geborener Kommunikator, ein Geschichtenerzähler, gross, charismatisch. Der Name seiner Kirche Lighthouse Chapel International“ (LCI) tritt zunehmend in den Hintegrund. Googelt man LCI, wird man umgeleitet auf die Haupt-Homepage der Bewegung:daghewardmills.org.

Billboard Niamey 11/2011

Aggressive PR:
Insbesondere bei den häufigen Healing Jesus Crusades scheint uns die PR auch mal unsensibel und möglicherweise gar kontraproduktiv. Die Werbung in den Strassen der zu 96 Prozent muslimischen Stadt Niamey war schlicht „too much“ und wurde von den islamistischen Organsiationen als Provokation empfunden. Der geplante Eventort („Terrain musulman“) musste in einer Notfallübung vom Zentrum an den Stadtrand verlegt werden. Die Besucherzahl entsprach (deshalb?) nicht den Erwartungen.

Bildregie HJC Burkina Faso 11/2011


Direkte Kommunikation mit modernen, mulitmedialen Mitteln.
Dag Heward Mills macht eine intensive, eigenproduzierte, direkte Kommunikation. Er ist nicht abhängig von fremden medialen Multiplikatoren, die er nicht kontrollieren kann. Er lässt die lokalen Medien, inkl. TVs zwar bei seinen Events zu. Interviews aber gibt er sehr selten. Er hat in Ghana seine eigene TV-Show und vor allem verbreitet er seine Botschaften via Internet weltweit – nicht nur in seine 1300 Gemeinden.

Dag Heward-Mills Burkina Faso 11/2011

Sehr gut orchestrierte Live „Shows“ mit Dag als grossem „Entertainer.
Teils bis zu 100’000 Besucher kommen zu den Heilungsshows. Zum Beten, Tanzen, Feiern – und zum geheilt werden. Das Zentrum der Show ist der Evangelist. Unterstützt von zwei Live-Ãœbersetzern (französisch plus lokale Sprache) und von einer guten Band mit erstklassiger Sängerin.

Pastoren-Konferenz Burkina Faso 11/2011

Lokale Pastoren als wichtigste Zielgruppe/Multiplikatoren.
Die lokalen Pastoren sind die Multiplikatoren von Dag Heward-Mills Botschaften, wenn er wieder abgereist ist. Sie müssen für die Nachhaltigkeit seiner Botschaften sorgen. Während der Crusade verwendet er deshalb viel Zeit darauf, die lokalen Pastoren zu instruieren. Jeden morgen finden „Pastoren-Konferenzen“ statt, mit jeweils über Tausend Teilnehmern. Dag thematisiert zentrale Botschaften und hält eine Art Musterpredigten. Ein ständiges Thema: Loyalität. Denn ein grosse Gefahr besteht darin, dass die Pastoren eigene, von der LCI unabhängige Kirchen gründen. Dag bedroht potentielle Abweichler („Judas“) schlicht mit der Hölle.

Marta, Chef Video Crew LCI

Bewegtbild als Basis:
Eine zentrale Rolle in der PR spielt die omnipräsente Videocrew. Fachlich sehr versiert, schnell, gut organisiert. Sie dokumentiert jeden Schritt des Evangelisten auf dem Kreuzzug in Niger und Burkina Faso. Sechs Leute (2 Frauen, 4 Männer) mit 4 professionellen Kameras gehören zum Videoteam. Marta ist die sehr professionelle Chefin. Selbstverständlich ist sie eine Pastorin. Zu ihrem Verantwortungsbereich gehört auch die Bildregie der Live-Shows.

Med. Klinik HJC Niger 11/2011

Das Videoteam produziert täglich rund 4 Stunden gutes Videomaterial mit 4 Kameras. Die Shows werden integral gefilmt und aufgezeichnet. Darüberhinaus schiesst Marta selbst eine Vielzahl von Fotos. Das Material wird aktuell verarbeitet. Täglich finden sich spätestens am Morgen des Folgetags neue Videos, Fotos und eine Art Texttagebuch im Netz.

Magid, Lichtregie HJC 11/2011

Die Lichtregie bei den Live-Events macht das Technik-Team (Rigging, Transport). An den Schiebereglern sitzt Magid, der „Motorenheiler“, der geniale Automechaniker, der bei den Tranfers des grossen Lastwagen- und Buskonvois, die liegengebliebenen Fahrzeuge zusammenflickt.

Die Videocrew poduziert auch laufend aktuelle, landesspezifische Videoclips für die Werbung für die lokalen TV-Stationen.

Adrian, Andrea, Videocrew HJC

In Ouagadougou ist am morgen auf den grossen elektonischen (LED)- Grossbildschirmen an den zentralen Plätzen der Stadt ein kurzer PR-Spot mit Bildern von der Show am Vorabend zu sehen. Besonders wichtige Ereignisse werden per Livestream via Internet weltweit verbreitet. Von Manila über Zürich und Atlanta bis Rio de Janeiro können die Pastoren der Diasporakirchen die Events in Afrika auf Grossbidlschirmen ihren Gemeinden live vorführen.

Dag’s Bücher in Indien (Bild: LCI)

Bücher, Bücher, Bücher: Neben den digitalen Medien spielen Bücher eine zentrale Rolle in der PR der Missionskirche aus Ghana. Unter Dags Namen sind im eigenen Verlag hunderte von Büchern publiziert. Wieviele er davon wirklich selber geschrieben hat, wissen wir nicht. Ich gehe davon aus, dass ein Teil der Bücher Mitschriften seiner Predigten sind, die er dann redaktionell überarbeitet.
Diese Bücher werden in verschiedene Sprachen übersetzt. Zuletzt, erzählt uns Dag selbst stolz, hat er die wichtigsten Bücher auch auf russisch und indisch übersetzen lassen. Indien und die Ukraine sind wichtige Zielländer, in denen der Evangelist auch selbst auftritt, sei es mit eigenen Kreuzzügen oder als Gastprediger.

PS:
Einen Hintergrund zur Lighthouse Chapel Internation gibt’s auf relinfo.ch: Er ist teilweise nicht ganz korrekt. Zum Beispiel stimmt ein wichtiges Detail in Dags Familiengeschichte nicht: Seine Mutter Elisabeth (Mädchenname Stamm) ist zwar tatsächlich eine Schweizerin aus Münchenstein (BL), aber sie oder ihr Vater haben nie für die Basler Mission gearbeitet. Dag ist also nicht der „Enkel von Schweizer Missionaren in Ghana“, aber er selbst versteht sich sehr wohl als Nachfolger der „weissen Väter“ der Basler Mission im 19. Jahrhundert. er fühlt sich verpflichtet, ihr Werk fortzusetzen.

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