Niamey – Ouagadougou: Von Gott im Stich gelassen?

Unfall Healing Jesus Crusade Burkina Faso 11/2011

„Jesus ist hier, er geht heute abend hier herum“, versichert Dag Heward-Mills seinen faszinierten Zuhörern jeden abend in der Healing-Arena des Kreuzzugs. Für ihn mit einem typischen – für uns abgebrühten Säkularisten ein eher kindliches – Bild.

Auf der Reise des 25 Fahrzeuge zählenden Konvois – von Sattelschleppern und Bussen inkl. Polizei-Eskorte von Niamey/Niger nach Ouagadougou/Burkina Faso – scheint Jesus nicht auf einem der Fahrzeuge gesessen zu haben. Wir kamen uns manchmal ziemlich verlassen vor. Wir würden sagen: „Vom Pech verfolgt“. Aber wenn man den ganzen Tag hört, wie jede Handlung, jedes Ereignis auf Gott oder Jesus bezogen, respektive deren allgegenwärtigem Tun zugeschrieben wird, dann kann dieser Gedanke der göttlichen Abwesenheit nicht einfach als blasphemisch abgetan werden.

Geier am Grenzposten Niger/Burkina Faso

Dass grad die Geier über uns kreisten, kann man nicht sagen, aber zumindest beäugt haben sie uns an der Grenze Niger/Burkina Faso schon mal.
Viermal hat derselbe Bus auf den vielleicht 400 Kilometern Fahrt durch die Savanne am Südrand der Sahara eine Panne gehabt und den ganzen Konvoi aufgehalten. Negativer Höhepunkt: Zwei Busse sind rund 200 Kilometer von Ouagadougou verunfallt.
Einer der Chauffeure im Konvoi ist offenbar eingeschlafen und auf das Fahrzeug vor ihm aufgefahren. Er hat den Bus ein kurzes, steiles Strassenbord hinunter geschupst. Der Fahrer war geschickt genug, dafür zu sorgen, dass sein Fahrzueg nicht kippte und sich überschlug. Der Beifahrer wurde allerdings aus dem Bus geschleudert und hat sich am Fuss verletzt und auch den Kopf angeschlagen. Er muss noch genauer untersucht werden.

Als kurz vor Mitternacht – wir glaubten schon, in der Ferne den Lichtschein der Stadt Ouagadougou zu sehen – auch noch ein Sattelschlepper stehen blieb, kam mir der Gedanke wieder hoch, den ich früher häufiger u.a. bei scheinbar unerträglichen Situationen im Balkankrieg hatte: „If there’s a God in Heaven, what the hell is he waiting for?“

James (Manager), Madjib (Mechaniker)

Wem wir es wirklich zu verdanken haben, dass wir es trotz all der Zwischenfälle schliesslich doch irgendwie bis Ouaga schafften, ist Madjid, dem Mechaniker im Konvoi zu verdanken. Ich habe ihn zum grossen Gaudi seiner Kollegen, den „Motoren-Heiler“ genannt.

Panne X, Healing Jesus Crusade 2011

Er hat wahre Wunder vollbracht, wenn er sich mit einem Schraubenschlüssel ins Getriebe der Tata-Busse gehängt hat oder unter dem Laster irgendwelche verstopften Ölleitungen ausgeblasen hat. Auf mein bewunderndes Lob hat er nur bescheiden und typisch für die fast stoische Haltung der Kreuzfahrer geantwortet: „We did it, by the Grace of God.“

Madjib, der Motorheiler. Healing Jesus Crusade 2011

Es war ein schwerer Tag, nicht zuletzt für den Logistikchef und Leiter des Konvois, Reverend George. Ich bin mir aber sicher, dass er sich nicht einmal heimlich solch blasphemische Gedanken macht wie ich. Er glaubt an die Formel „Thank God …“. „Dank Gottes Hilfe“ hat es neben ärgerlichen Materialschäden nur einen Leichtverletzten gegeben. Und als wir um ein Uhr in der Früh, nach 21 statt der geplanten 8 Stunden „Fahrt“  vor dem Fussballstadion in Ouaga, wo morgen die neue Kreuzzugsarena aufgebaut wird, angekommen waren, war für ihn klar, wem der Dank gehört: „By the Grace of God, we’ve made it.“

PS:
Beim letzten erzwungenen Reparaturhalt bin ich vielleicht 100 Meter weg von der Strasse hinaus in die trockene Weite gegangen. Unglaublich – fast hätte ich geschrieben „göttlich“ – der Sternenhimmel. Ganz tief, über und über voller Sterne.
Ein Moment zum Sinnieren: Könnte es sein, dass die Crusader die Pechsträhne uns/mir anlasten könnten? Dass der Herrgott uns/sie bestrafe, weil wir immer noch zweifeln. Weil wir es wagen, einen Geheilten zwei Tage nach dem „Wunder“ zu besuchen und einen enttäuschten Menschen antreffen, der sagt: „Ja, schon, das Wunder ist geschehen. Aber es hat leider nicht lange gehalten.“ Er könne nach wie vor nicht ohne Krücken gehen.

Da kommt meine kindliche Prägung vom bedrohlichen, rächenden Gott zum Vorschein, der – wie Dag immer eindringlich predigt – die Sünder bestraft, in die Hölle, ins Fegefeuer schickt. Allein, dass mir solche Gedanken kommen, frappiert mich.

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