Menschenjagd. Amerikas schmutziger Krieg.

Es gibt Themen, für die ist das „Informationszeitalter“ ein Schutz, ein Segen. Sie sind zwar da, es wird über sie berichtet, „aufgeklärt“, aber sie gehen irgendwie einfach unter im ständigen Rauschen der Lärmwolke, welche die globale Informationsflut täglich produziert. Was diese Themen häufig so unsichtbar bleiben lässt, ist vielleicht auch der Umstand, dass wir eigentlich lieber nichts davon hören und wissen wollen.

Ein schlagendes Beispiel dafür ist für mich der „Krieg gegen den Terror“ der USA. Er ist eine wahre Schande für unsere westliche Kultur und ihre Werte: Menschenrechte, Menschenwürde, Rechtsstaat, Demokratie, ….. Die führende Nation der Welt, die USA, tritt alle diese Werte mit Füssen unter dem Vorwand der Selbstverteidigung, nicht nur der USA, sondern der westlichen Zivilisation. Für Amerika „The World is a Battlefield“, wie Jeremy Scahill in seinem schockierenden neuen Buch „Dirty Wars“ schreibt und schmerzhaft belegt.

Und in einem Krieg sind alle Mittel recht. „To defeat this threat we must make use of every tool in our arsenal“- heisst es in der „National Security Strategy“ der USA, und dazu gehören, wie wir heute wissen auch Folter, Drohnen und jede nur erdenkliche Art von Menschenrechtsverletzung. Die Schauplätze heissen Iraq (u.a Abu Ghraib), Afghanistan, Pakistan, Guantanamo, Libyen, Jemen, …..

Wer nicht das ganze Buch von Scahill lesen mag: im Rahmen der Promotion von „Dirty Wars“ erscheint zur Zeit eine Vielzahl von Artikeln und Interviews von und mit dem Autor.
In einem Beitrag für „The Nation“ mit dem Titel „Inside America’s Dirty Wars“ erzählt Scahill eine der wichtigen Episoden aus seinem Buch: Die Tötung Anwar al-Awlakis, eines der führenden Köpfe der Al-Qaida im Jemen 2011. Spätestens, wenn er erzählt, wie der US-Geheimdienst auch al-Awlakis 16-jährigem Sohn Abdulrahman mit einem weiteren Drohneneinsatz tötete, möchte man’s eigentlich lieber nicht mehr wissen – eben.

Man kann einen (langen) Artikel aber auch einfach als eine Art kurzen Actionroman lesen. Er steht den fiktiven Romanen zum Thema – wie z.B. „The Panther“ von Nelson Demille oder „The Good Son“ von Michael Gruber – in nichts nach, ausser dass er zusätzlich brisante Zusammenhänge liefert.

Was Jeremy Scahill besonders empört, ist der Umstand, dass die al-Awlakis amerikansche Staatsbürger waren. Dass staatliche amerikanische Institutionen einen amerikanischen Staatsbürger schlicht ermorden, statt ihn der amerikanischen Justiz zuzuführen, hinterlässt Scahill zum Glück nicht sprachlos: Er klagt an. Ganz direkt auch Präsident Obama, der zumindest die Aktion gegen Vater Anwar al-Awlaki explizit genehmigt und befürwortet hat. Immerhin soll der Präsident, als er von der Ermordung des 16-Jährigen Abdulrahman hörte, „surprised and upset“ gewesen sein und eine Erklärung verlangt haben.
Eine generelle Erklärung verlangen inzwischen (immer gemäss Scahills Artikel in „The Nation“) auch Senatoren: “It’s important for the American people to know when the president can kill an American citizen, and when [he] can’t.“

Was das Buch – und im Kleinen auch der Artikel in „The Nation“ – auch deutlich macht, ist, zu welch unkontrolliertem Moloch sich der riesige Sicherheitsapparat der USA entwickelt hat: Ausserhalb aller Gesetze und auch ausserhalb einer echten Kontrolle durch den Präsidenten.

Dieser gewaltige Sicherheitsapparat muss sich auch immer wieder rechtfertigen. Die amerikanische Politik und die Öffentlchkeit muss überzeugt sein, „glauben“, dass nicht nur der Apparat, sondern auch seine Methoden gerechtfertigt sind.
Das gewaltige Brimborium, welches die Anschläge von Boston Mitte April inszenierte, muss vielleicht auch in diesem Zusammenhang gesehen werden.

Ãœbirgens: Im Sommer kommt der Scahills Dokumentarfilm „Dirty Wars“ in die amerikanischen Kinos. Der Trailer dazu ist schon raus:

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