Niamey 4: Gebetskrieger

Dag Heward-Mills, 19. Nov. Healing Jesus Crusade Niger 20

Freitag 19. November:
Ein intensiver, aufwühlender Tag. Interview im Innenministerium, Dreh im Kreuzzugs-Ambulatorium, ein gutes Interview mit dem Evangelisten Dag Heward-Mills, dritter Heilungs-Event des christlichen Kreuzzugs in muslimischen Niger. Viel gutes Bildmaterial (Film und Foto).

Ein paar Impressionen:

Ambulante Klinik Healing Jesus Crusade Niger 2011

Am 2. Tag scheint sich die Botschaft der Gratisbehandlung in der ambulanten Freiluft-Klinik des Kreuzzugs herumzusprechen. Vielleicht ist die Not der Menschen auch einfach so gross, dass sie sich die Chance auf eine Gratisbehandlung inkl. Medikamente nicht entgehen lassen wollen. Auch wenn sie von christlichen Missionaren kommt.

Gebetskrieger, Titel/Beschirftung Helfer Healing Jesus Crusade Niger 2011

Einige der Helfer in der Klinik sind als „Guerrier de Prière“ angeschrieben, „Gebetskrieger“. Die martialische Sprache hat System. Die Missions-Kampage der christlichen Kirche aus Ghana im muslimischen Niger heisst ja auch „Kreuzzug“.
In einem ausführlichen Interview, das wir in der Klinik mit dem Evangelisten Dag Heward-Mills führen, spricht er etwas weniger kriegerisch davon, „einen Samen zu Pflanzen.“ „Möglichst viele Menschen für Jesus gewinnen.“

Ungeschminkt äussert sich Pasteur Sabo, der umtriebige, sehr aufgeschlossene Pfarrer einer der evangelikalen Christengemeinden in Niamey, der dank seinen exzellenten Verbindungen zu den lokalen Behörden den Kreuzzug erst möglich gemacht hat. Er ist überzeugt, dass viele Muslime im Niger unzufrieden mit ihrer Situation sind und deshalb viele zum christlichen Glauben konvertieren werden. Dieselbe Meinung vertritt der Journalist des staatlichen Fernsehens, den wir interviewt haben. Die Islamisten haben also einigen Grund, nervös zu sein. Doch bisher hat die Regierung ihrem Druck standgehalten. Es war heute beeindruckend, wie der zuständige Generaldirektor im Innenministerium in unserm Interview tapfer darauf beharrt hat, der Niger sei ein laizistischer Staat: „Jeder kann den Glauben leben, den er will.“ Der massive Polizeischutz für den Kreuzzug sei „normal“.

Um Heilung beten. Dag Heward Mills, Niger 2011

Dag Heward-Mills ist selbst ausgebildeter Arzt – und „halber Schweizer“, wie er sagt. Seine Mutter ist Schweizerin. Auf unsern Wunsch hat er heute die ambulante Klinik des Kreuzzugs besucht und auch selbst aktiv gearztet. Einer älteren Frau mit vom fortgeschrittenen Krebs völlig aufgequollener Brust hat er offen erklärt, medizinisch sei ihr nicht mehr zu helfen. „Nur Gott kann Sie heilen. Sie brauchen ein Wunder“. Tröstend hat er für die Frau ein beschwörendes Gebet gesprochen.


Heilungsuchende, Healing Jesus Crusade Niger 2011

Am Abend die dritte Healing-Show:
Es kommen nicht viel mehr Menschen als an den Abenden zuvor, aber viel mehr Kranke und Behinderte. Der Evangelist ist in Top-Form: Er ist ein begnadeter Kommunikator, ein charismatischer Animateur, der die Massen in seinen Bann schlägt. Er bezieht das Publikum ständig mit ein: „Arme in die Höhe“, „Klatschen“, „Aufstehen“, „Augen schliessen“, „Sprich mir nach“.  Immer wieder heizt er richtig ein, um im nächsten Moment die Menschen ruhig zu stellen, in sich gekehrt, besinnlich. Hochprofessionell. Man spürt, das ist nicht nur einfach eine gute Show. Dag lebt, was er tut. Er glaubt an das, was er tut, was er sagt. Er ist „authentisch“.

Masse Healing Jesus Crusade Niger 2011

Dag Heward-Mills erzählt dramatische Geschichten von Heilungen: „Ich war einmal in Südafrika ….“ Das Publikum  leidet mit. Er senkt beschwörend die Stimme, dann kreischt oder schreit er wieder, um die Geschichte schliesslich einem erlösenden Ende zuzuführen. Das Publikum – unter ihnen viele Muslime -  jubelt begeistert, die Band auf der Bühne und die exzellente Sängerin unterstützen die Inszenierung des Evangelisten mit präzisen Einsätzen.
Schlüsselsätze oder – worte wiederholt der Evangelist manchmal zehnmal immer eindringlicher: „Jesus lebt“ -  „Jesus lebt“ – „Jesus lebt“. Das Publikum wiederholt die Worte ekstatisch.

Nabia, die Ärztin und das Gedränge der Heilsuchenden

„Und jetzt kommt der Moment der Heilung“. Zuerst Heilung für alle. Sie sollen sich auf ihre Krankheit, ihre Beschwerde konzentrieren. „Jesus ist hier, um Dich zu heilen.“ – Schliess die Augen.“ – „Kannst Du es fühlen?“
Dann werden Leute aufgefordert auf die Bühne zu kommen, die „etwas erlebt“ haben, die „Heilung erhalten haben“. Heute sind es einige Hundert Leute, die sich am Aufgang zur Bühne drängeln. Nabia, die Chefärztin der ambulanten Klinik, versucht etwas Ordnung in das hektische Chaos zu bringen.

Dag Heward-Mills und der „geheilte Bub“, Healing Jesus Crusade Niger 2011

Star des Abends ist ein kleiner Junge, vielleicht 7-jährig. Seit 8 Monaten konnte er ohne Stützprothese nicht gehen. Als er heute abend ohne sie über die Bühne geht, jubelt das Publikum. „Ein Wunder, ein Wunder ist geschehen“, ruft der Evangelist in die Menge und schwenkt triumphierend die Prothese.
Die Eltern des Buben, moderne junge Afrikaner sind überglücklich.

Nicht geheilt. Healing Jesus Crusade Niger 2011

Natürlich gibt es auch an diesem Abend wieder Viele, die nicht geheilt wurden. Der Evangelist segnet sie. Im Interview am Nachmittag hatte er uns gesagt, was er am Abend auch auf der Bühne mehrfach wiederholt hat: „Ich kann niemanden heilen. Es ist Jesus der heilt.“
Ich filme am Fuss der Bühnentreppe den Abgang der Heilsuchenden: Ein Horror des Elends. Besonders eingefahren ist mir ein anderer, weniger glücklicher, schwerstbehinderter Bub. Warum hilft Jesus ihm nicht?

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