Süd-Sudan: Ausverkauf der Zukunft?

Landwirtschaft Südsudan (Bild: Gurtong.net)

Alle sprechen vom Öl im Süd-Sudan. Kein Wunder: Rund dreiviertel der bekannten Ölvorkommen des Sudan liegen im Boden der neuen Republik Süd-Sudan. Doch der junge Staat am Weissen Nil verfügt über ein anderes Gut, das bald viel wichtiger sein wird als Öl: fruchtbares Land – oder noch präziser: Wasser.

Land mit genügend Wasser ist im weltweiten Wettlauf um Einfluss und Rohstoffe das neue „Objekt der Begierde“. An der „grossen Jagd nach Land“ beteiligen sich nicht nur Staaten wie z.B. Saudiarabien, die aus trockenen Böden nicht genügend Nahrung zur Ernährung der eigenen Bevölkerung produzieren, sondern auch internationale Nahrungsmittelkonzerne und Biospritproduzenten und nicht zuletzt simple Finanzspekulanten, Hedgefonds (und Pensionskassen), die ihren Kunden langfristige Gewinne versprechen.

Schon seit einiger Zeit ist der Süd-Sudan eines der Jagdgebiete für landhungrige fremde Investoren. Denn er verfügt nicht nur über den Rohstoff Land/Wasser, sondern ist auch sehr dünn besiedelt. Nur gerade 4 Prozent seines fruchtbaren Landes wird heute landwirtschaftlich genutzt. Vor allem aber fehlen starke staatliche Strukturen, die den Landkauf regeln und effektiv kontrollieren können. Der Südsudan ist die neue „Frontier“ („herrenloses Land“ – ausserhalb staatlicher Kontrolle).

Karte: „The New Frontier“ npaid.org

In nur 4 Jahren, zwischen 2007 und Ende 2010 haben ausländische Investoren 2.64 Millionen Hektaren(26’400 km2) Land im Süd-Sudan erworben. Das ist eine Fläche grösser als ganz Ruanda oder mehr als die Hälfte der Schweiz.

Diese Zahl hat im Frühjahr 2011 die South Sudan Law Society mit Sitz in Juba präsentiert. Sie hat im Auftrag der norwegischen Hilfsorganisation „NorwegianPeoples Aid“ in umfangreicher Feldforschung eine  Studie „The New Frontier“ erarbeitet.
Im sogenannten „Greenbelt“, dem fruchtbarsten Gebiet im südlichen Süd-Sudan, ist gemäss der Studie inzwischen ein Viertel des Landes in den Händen fremder Investoren.


Jagd Boma National Park

Es sind meist Grossinvestoren, die riesige Flächen erwerben. Die Firma Al Ain Wildlife aus den arabischen Emiraten hat mit den lokalen Behörden im Südosten des Landes einen Leasingvertrag abgeschlossen, der ihr für die nächsten 50 Jahre fast den ganzen, riesigen Boma Nationalpark zur exklusiven Nutzung überlässt. Luxushotels und Safaricamps sind geplant. Aber man kann davon ausgehen, dass sich die Scheichs vom Golf nicht nur ein exklusives Jagdrevier der bescheidenen Fläche von 16’800 Quadratkilometern gekauft haben, sondern vor allem auch eine strategische Wasserreserve.

Der Report von Norvegian Peoples Aid hat inzwischen international Schlagzeilen gemacht und natürlich ist sich auch die südsudanesische Regierung bewusst, dass sie dafür sorgen muss, dass die Gemeinden, die die wichtigsten Landbesitzer im Süd-Sudan sind, nicht um des kurzfristigen Profits Willen, ihre Zukunft verkaufen.
Salva Kiir, Präsident Südsudan

Es ist eines der erklärten Ziele der Regierung um Präsident Salva Kiir, von der gefährlichen Abhängigkeit vom Ölgeschäft wegzukommen, mit dem heute rund 98% der Staatsbudgets bestritten werden. Denn damit ist man nicht nur den schwankenden Preisen des Ölmarktes ausgeliefert, sondern auch dem Goodwill der Regierung des Norsudan, über dessen Gebiet das schwarze Gold exportiert werden muss. Die Regierung in Juba weiss auch, dass die Ölreserven im Boden des immer noch umstrittenen Öl-Gebiets von Abyei an der Grenze zwischen dem Nord- und dem Südsudan langsam zur Neige gehen. Es gibt zwar Hoffnung auf die Erschliessung neuer Felder auch im Süden, aber noch gibt es nichts Konkretes.

Diversifikation heisst die Lösung. Neben der Förderung anderer Rohstoffe (u.a. Gold) setzt die Regierung auf die Landwirtschaft. Als erstes Ziel hat die Regierung eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion bis 2013 von heute 700’000 Tonnen auf 1 Million Tonnen formuliert. Das wäre dann erst einmal die Selbstversorgung. Mittelfristig träumt man aber davon, zum Brotkorb Afrikas zu werden.
Doch in der Realität ist der Südsudan weit davon entfernt. Aktuell warnt die Regierung sogar vor einer Hungersnot. Joseph Lual Acuil, Südsudans Minister für „Humanitarian Affairs and Disaster Management“ hat letzte Woche vor den Medien in Juba gesagt, die schlechten Ernten „aufgrund unzuverlässiger Regen“ in Verbindung mit den teuren Nahrungsmittelpreisen auf dem Weltmarkt, “haben zu einer ernsthaften Lebensmittelknappheit geführt. 1,3 Millionen Menschen, jeder 7. Südsudanese, dürfte in nächster Zeit von Lebensmittel-Hilfslieferungen aus dem Ausland abhängig sein.
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