Investieren im Südsudan

Bild: Juba 2011 Reuters

Seit zweieinhalb Monaten ist der Südsudan offiziell unabhängig. Die politischen Verhältnisse sind weit davon entfernt, ein günstiges Umfeld für den Staatsaufbau und die dringend benötigten privaten Investitionen zu bieten. Doch „der Wilde Westen Ostafrikas“ ist geostrategisch so wichtig, dass das Land trotzdem eine echte Chance hat, auf die Füsse zu kommen. (Ich weiss, vom Kongo hat man das auch gesagt.)

Gesucht: Private, ausländische Investoren
Diese Woche findet in der Hauptstadt Juba am Weissen Nil das „Blue Spring International, Business Symposium and Trade Fair“ statt.  Ziel dieses „Wirtschaftsgipfels“ ist es gemäss den Veranstaltern, „Entscheidträger der Regierung mit Investoren aus dem In- und Ausland zum Informationsaustausch und Networking zusammenzubringen“.

Doch Investoren müssten sich eigentlich davor hüten, überhaupt einen Fuss in das Land im Herzen Afrikas zu setzen, das rund 15-mal grösser ist als die Schweiz:

Schlechte Investitions-Bedingungen

Quelle: Doing Business IFC

„Mit seiner politischen Instabilität, der prekären Sicherheitslage und grassierenden Korruption ist der Südsudan für viele internationale Unternehmen kein attraktiver Investitionsstandort.“
Das Urteil der renommierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in ihrer Studie „Staatsaufbau im Südsudan“ ist vernichtend.

Die statistischen Daten dazu liefert die Weltbank in ihrem Report „Doing Business in Juba“: 
„Verglichen mit den 183 Wirtschaftsstandorten, die Doing Business bisher bewertet hat, belegt Juba den 159. Rang in Sachen Business-Freundlichkeit.“

Die zur „Worldbank Group“ gehörden „International Finance Corporation“ (IFC) listet 10 Kriterien auf, die internationalen Investoren helfen sollen, ihr Risiko abzuschätzen, am geplanten Ort zu investieren.

Quelle: Doing Business IFC

Beim Kriterium „grenzüberschreitender Handel“ liegt Juba zum Beispiel an 3. letzter Stelle weltweit. In der Praxis heisst das zum Beispiel: Will ein Unternehmen in Juba einen Container via den rund 1300 Kilometer entfernten Hafen von Mombasa in Kenia importieren, muss es 11 Dokumente ausfüllen, 60 Tage warten und 9’460 USDollar bezahlen. Die Hälfte des Zeitverlusts entsteht wegen bürokratischem Papierkram. Um Gelder ins Ausland zu transferieren braucht es eine Bescheinigung der Bank des Südsudans – das dauert etwa 22 Tage.

So deprimierend diese Analyse ausfällt – gerade der Umstand, dass die Internationale Finanzkorporation der Weltbank Juba bewertet, zeigt das Interesse und die Bedeutung Jubas. „Ranking is not what matters most“, betont „Doing Business“ in ihrem Report: „Es ist ein Ausgangspunkt für die Regierung Südsudans für Verbesserungsmassnahmen.“ Die Weltbank macht konkrete Empfehlungen dazu. Natürlich nach den Regeln des Westens, aber an ihnen orientieren sich die Investoren.
Sie wägen neben den Risiken auch die Chancen ab. Und „der Preis ist heiss.“ Das Risiko, im Südsudan viel Geld zu verlieren ist gross – aber auch die Chance, viel Geld zu verdienen – nicht nur im Ölbusiness, das heute 98% der Einnahmen des Staatshaushaltes ausmacht.

Geostrategische Bedeutung: Nicht nur Öl – auch Wasser

Juba Weisser Nil Luftaufnahme

Natürlich dreht sich fast alles ums Öl. 75% der bekannten Ölvorkommen liegen innerhalb der Grenzen des Südsudans – und man vermutet weitere reiche Ölquellen auch weiter im Süden. Das Öl bringt Geld ins Land und dadurch entsteht neues Business.
Aber der Südsudan bietet mehr: Gold zum Beispiel, aber vor allem das „blaue Gold“: Wasser.

90% des Landes ist fruchtbar. Nur ein Bruchteil davon wird heute im sehr dünn besiedelten Land genutzt. Sudan hat demnach das Potential zum „Breadbasket“, zum Brotkorb Afrikas zu werden. Wasser und Nahrungsmittel sind weltweit zu einer der begehrtesten „Commodities“ geworden. Und ausländische Spekulanten haben schon länger ein Auge auf die grossen Wasser- und Landreserven im Südsudan geworfen.

Man wird sich also kaum wundern, wenn nächste Woche auch sehr potente Investoren an der Handelsmesse in Juba teilnehmen werden, um zumindest Beziehungen zu knüpfen, mögliche Konkurrenten zu identifizieren und die Chancen auszuloten. Natürlich ist die Handelsmesse in Juba diese Wochen nicht die einzige Plattform im „Race for South Sudan“. Wichtige chinesische, indische, amerikanische, europäische Player und – nicht zu unterschätzen – afrikanische Investoren – schaffen und nutzen im Hintergrund andere Plattformen.
Und weil der Südsudan so wichtig ist, geht es nicht zuletzt auch um „Einflusssphären“, um die Konkurrenz zwischen den alten Wirtschaftsmächten im „Westen“ und den aufstrebenden, rohstoffhungrigen neuen Mächten in Asien.

Ãœbrigens: Beruhigend für alle Expats, die sich in den nächsten Wochen und Monaten nach Juba wagen: Eine der ersten Firmen, die bereits in Juba produzieren, ist ein Bierbrauer, Southern Sudan Beverages Limited, welche dem US-amerikanischen Biergiganten SABMiller gehört. Das Bier heisst „White Bull“.

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