US Air Force: „Die Luftwaffe der Al-Qaida“

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Der ehemalige US-Kongressabgeordnete Dennis Kucinich (Demokrat aus Ohio) formuliert es medienmarkt-gerecht: Sollte die USA tatsächlich Luftangriffe gegen die syrischen Regierungstruppen fliegen, würde sie zu „al Qaeda’s air force”, zur Luftwaffe der al-Qaida. Das Bild ist vielleicht etwas boulevardesk überzeichnet, aber Kriegsgegner Kucinich sagt im Grunde dasselbe wie der renommierte Nahostkorrespondent des britischen „The Independent“ Robert Fisk in seiner neusten Kolumne: „Weiss Obama, dass er auf der Seite der Al-Qaida kämpft?“

Natürlich wissen die Amerikaner, dass die Al-Nusra-Front, welche immer mehr eine zentrale Rolle in der arg zersplitterten Anti-Assad-Front der syrischen Rebellen spielt, wohl der syrische Arm der Al-Qaida ist. Schon im vergangenen Juni hat die Geheimdienstkommission des US-Repräsentantenhauses den Weg frei gemacht für die Bewaffnung der syrischen Rebellen. Vergeblich hatte der republikanische Senator Rand Paul gewarnt, der Senat bewaffne damit die Al-Qaida.

Kämpfer der Al-Nusra-Front (Bild: wikicommons)

Robert Fisk mutmasst, die Al-Qaida-Kämpfer könnten bei den inzwischen fast unvermeindlichen Luftschläge der Amerikaner (und ihrer Verbündeten) die „Boots on the Ground“ sein, die Bodentruppen der USA in Syrien. Sie könnten – analog zur UCK im Kosovo 1999 – die Ziele für die amerikanischen Bombenangriffe, wenn nicht bestimmen, so zumindest deren genaue Koordinaten liefern.

„Quite an Alliance!“ empört sich Fisk. Dabei weiss er aus eigener Erfahrung, dass es im Krieg keine moralischen Skrupel gibt. Die USA werden alles unternehmen, um eines der wichtigsten Ziele ihres (wahrscheinlichen) Militärschlags gegen Syrien erreichen zu können: Das Gesicht wahren, ohne eigene Soldaten zum Sterben ins Land schicken zu müssen. Und warum sollten die Amerikaner nicht die Al Qaida die Drecksarbeit auf dem Boden machen lassen, während ihre Piloten – „in ihren sauberen Uniformen samt Bügelfalten“, wie die UCK-Kämpfer im Kosovo 1999 mit grosser Verrachtung für ihre „Befreier“ sagten – ihre Bomben aus ungefährderter Höhe ins Ziel steuern und dann unversehrt in ihre Basen zurückkehren können?

Paradoxer-, aber konsequenterweise würden die islamistischen Kämpfer der Al-Qaida damit wieder ihre in ursprüngliche Rolle zurückkehren: ein nützliches Instrument der USA. Denn es ist heute unbestritten, dass es die USA zusammen mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI (und mit saudischem Geld) waren, die Al-Qaida „geschaffen“ haben.

Nein das ist keine Verschwörungstheorie, sondern „Historischer Fakt“, wie die US-Aussenministerin Hillary Clinton 2011 gleich mehrfach öffentlich betonte. Z.B. bei diesem von CNN aufgezeichneten Auftritt (oder hier auf Fox-News):

„Die Leute, die wir heute bekämpfen, haben wir finanziert. Wir haben mitgeholfen, das Problem zu schaffen, das wir heute bekämpfen.“

Die USA Aussenministerin bestätigte damit Informationen, die lange als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet worden waren, die aber unter Insidern schon länger unbestritten waren:
Es war der US-amerikanische Geheimdienst CIA, der zusammen mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI (und mit saudiarabischen Gelder) Ende der 70er und in den 80er Jahre massenweise junge islamistische Kämpfer im ganzen islamischen Raum rekrutiert und in Pakistan ausgebildet und bewaffnet hat, um sie in den Krieg gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan zu schicken. So sind die Taliban und die Al Qaida entstanden.
Und „diese Strategie war erfolgreich“, wie Hillary Clinton betonte. Die Sowjets wurden von den Taliban zermürbt. Bloss sei nach dem Abzug der Sowjets eine „Masse“ von gut ausgebildeten und gut ausgerüsteten „fanatischen“ Mudjaheddin zurückgeblieben, die sich dann gegen die USA gewandt habe. (Achmed Rachid liefert viele Infos dazu in seinem hervorragendne Buch „Taliban“. Auch Bruce Riedel, lange Jahre DER Afghanistan/Pakistan-Spezialist des CIA spricht immer wieder offen darüber und natürlich auch der lauteste Verschwörungstheoretiker in den USA, Professor Michel Chossudovsky).

Es gibt Leute (u.a. die Republikaner und natürlich ihr Sprachrohr Fox-News) in den USA, die behaupten, die Al Qaida habe sich auch im Libyen-Krieg für die USA nützlich gemacht. Und jetzt also, könnten sie die Bodentruppen der USA in Syrien sein. „Quite an alliance!“

 

 

 

 

 

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