Seelsorge bei der Pediküre

Strasse Salon Debora

Adrian beim Dreh in Camp Grande/Rio de Janeiro Nov. 2013

Das Warten in Rio auf den Dreh mit Pastor Antonio von der NGO Rio de Paz nutzen wir, um noch einmal Debora in Campo Grande zu besuchen – die junge Pastorin, die wir bei unserem letzten Dreh hier in Brasilien an die Marcha para Jesus begleitet haben.

Beim ausführlichen Interview im Sand an der Copacabana hat sie uns von ihrem Traum erzählt, bald einen eigenen Schönheitssalon aufzumachen. Deboras Träume gehen offenbar sehr schnell in Erfüllung: „Graça a Deus“, wie sie sagt, hat sie in der Zwischenzeit ihren Salon nicht nur eröffnet, sondern sie denkt bereits daran, weitere Studios zu eröffnen und enstprechend andere Frauen anzustellen. Die Frau verfügt offenbar nicht nur über Gottvertrauen, sondern eben auch über den berühmten calvinistischen Unternehmergeist.

Salon Debora 1

Debora’s Schönheitssalon, Campo Grande/Rio de Janeiro November 2013

Bildmässig bietet Deboras Schönheitssalon ein sehr spezielles Szenario. Es war gegen 40 Grad heiss, als wir in der stillen Nebenstrasse eines Randquartiers von Camp Grande, etwa eine Autostunde vom Zentrum und den Vorzeigestränden Rios entfernt, gedreht haben. Das einzige Leben in der Strasse war der kleine Schönheitssalon. Debora nennt ihn „Bem me Quero“ (deutsch etwa: „Sich Gutes tun“). Etwa 10 Personen, lauter Frauen aus der neuen brasilianischen „Mittelklasse“ und Deboras rund 12 jähriger Sohn Gabriel, drängten sich vor und im Salon. Mittendrin Debora. Konzentriert auf die Pediküre einer vielleicht 40-jährigen Frau aus der Nachbarschaft schien die Teilzeitpastorin nicht besonders angetan zu sein von unserem Kommen. Aber alle waren problemlos damit einverstanden, dass wir filmen.

Beim Interview haben wir dann wieder die Debora erlebt, wie wir sie bei unserem letzten Dreh gesehen haben: Sobald die Kamera läuft, lässt sie ihr ganzes Charisma spielen.
Sie erzählt sehr persönlich, offen, aber gleichzeitig scheinen ihre Worte stets sorgfältig gesetzt. Sie weiss, was wir hören wollen und sie weiss, was sie wie sagen muss:

Ja, es sei schon fast ein Wunder, wie schnell ihr Traum in Erfüllung gegangen sei und sie hoffe, dass Gott ihr auch helfe, ihre weiteren Pläne mit der Eröffnung weiterer Salons rasch zu verwirklichen … aber garantiert sei das natürlich schon nicht.
Ja, es sei manchmal schon hart alle diese Aufgaben zu erfüllen: Manikür-Unternehmerin, Mutter und Pastorin, aber mit Gottes Hilfe finde sich immer ein Weg. (Und ihr Bub pflichtet ihr brav bei).
Allerdings, wenn sie sich eines Tages für einen Job entscheiden müsste, dann wäre es die krichliche Karriere, das Predigen.

Pedicure Debora

Predigen bei der Pediküre. Debora bei der Arbeit in ihrem Schönheitssalon.

Das Predigen ist schon jetzt Teil ihrer Arbeit, nicht nur wenn sie wöchentlich zweimal in der kleinen Kirche an der lärmigen Ausfallstrasse predigt. Während sie ihren Kundinnen die Nägel feilt oder Hornhaut von den Füssen schneidet, „betreut“ sie diese auch spirituell: Sie hört sich die Sorgen der Frauen an, erteilt Ratschläge basierend auf dem Wissen aus der Bibel und verbreitet vorallem Zuversicht im Glauben an Gott.
Die Frauen kommen nicht zuletzt wegen dieses doppelten Services zu Debora in den bescheidenen Schönheitssalon: Spirituelle, aber auch sehr praktischen Beratung plus die Maniküre/Pediküre.
Aber so viel anders als bei uns ist das ja nicht. Die religiöse Komponente entspricht der Lebenswelt der Frauen dieser Gesellschaftsschicht: Sie sind fast alle religiös und pragmatisch. nach wie vor ist ihre Situation schwierig, unstabil. Der Glaube mit seinen klaren Botschaften ist eine willkommene Orientierungshilfe.

Ich habe am Ende unseres Drehs gestern, noch ein paar Videobilder auf der „kleinen Kamera“ gemacht. Der Salon war zwar schon beinahe leer, aber die Bilder, nur roh geschnitten, vermitteln hoffentlich einen ersten Eindruck. Mehr dann natürlich im Film.

Nachbemerkung:
Debora ist eine imponierende Frau. Sie geht ihren Weg, sie sprüht vor Energie und Lebenslust. Sie weiss auch, dass sie für viele Frauen in ihrer Umgebung ein Vorbild ist.
Hinter diese imponierende Fassade lässt sie uns nicht blicken – wir sind zu fremd.
Uns ist umgekehrt ihre Welt fremd, nicht nur ihre physische Welt, vorallem auch ihre spirituelle Welt – ihre Art des Glaubens, die sie mit sehr vielen Menschen teilt, die wir im Verlauf unseres Projekts kennen und schätzen gelernt haben.
Auch wenn wir Vieles nicht verstehen können: wir sind weit davon entfernt, Leute wie Debora zu kritisieren oder gar ihnen Ratschläge geben zu wollen. Ich habe grossen Respekt vor diesen Menschen. Pastor Sunday in Kiew hat es richtig formuliert: „People feel, we are real“. Und vorallem: diese Deboras tun was – für sich, aber auch sehr viel für die andern, die Menschen in ihrem Umfeld.

Zum Schluss noch ein paar Bilder vom Deboras anderem Job: das Predigen in der Kirche:

Debora Predig T

Totale Predigt

Debora segnet

Debora singt

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